Ich sach MarcoDatini ??? Du sachst wat? Francesco di Marco Datini, der Wein und ich

1335 wurde Francesco di Marco Datini in Prato in der Toskana geboren. Er verlor schon fr??h seine Eltern durch die 1348 in Italien grassierende Pestwelle. Er ging als Lehrling nach Florenz und bereits mit 15 Jahren nach Avignon, der Papstresidenz w??hrend des Schismas. Er war ein talentierter Gesch??ftsmann, machte sich bald unabh??ngig und wurde sehr erfolgreich. Im Laufe seines Lebens schuf er ein breites Handelsnetzwerk innerhalb S??deuropas ??? von Prato, Florenz, ??ber Mallorca bis Barcelona und Valencia. Neben Handel, begann er auch sich im Geldgesch??ft zu engagieren und vergr????erte seinen Reichtum durch Wechselgesch??fte. Sein Motto war ???Im Namen Gottes und des Gesch??fts???.
Neben seiner ??konomischen T??tigkeiten gewann er auch politischen Einfluss in Prato und Florenz. Wie damals ??blich, stiftete er gegen Ende seines Lebens einen Gro??teil seines Verm??gens um das Wohlgefallen Gottes zu erlangen ??? diese Stiftung existiert nun schon fast 600 Jahre. Aber nicht dies macht Francesco di Marco Datini zu einem heute nicht vergessenen H??ndler und Bankier der italienischen Fr??hrenaissance. Dieser Art gab es viele.?? Vielmehr beruht seine Bedeutung auf einem Fund des 19. Jahrhunderts.

Francesco di Marco Datini lie?? sich in Prato einen Palazzo errichten ??? in diesem richtete er zu Lebzeiten ein Archiv mit seinen B??chern und Korrespondenzen ein. Im 17. Jahrhundert wurde sein Stadtpalast renoviert und man deponierte das Archiv unsortiert unter einer Treppe des Hauses. Ein Gl??ck, dass man es nicht einfach wegwarf. Erst 1870 fand man die Dokumente wieder ??? eingen??ht in S??cke. Damit wurde der historischen Forschung ein wissenschaftlicher Schatz zug??nglich. Dieses Archiv erm??glicht einen genauen Einblick in die wirtschaftlichen Verhaltensweisen des 14. und fr??hen 15. Jahrhunderts. Aber nicht nur dies. Da ein Gro??teil der Korrespondenz mit seiner Frau erhalten ist, kann man viel ??ber Geschlechterrollen, Beziehungssysteme dieser Epoche lernen und erh??lt einen fantastischen Einblick in das Leben dieser H??ndlerfamilie. Und auch der Schriftwechsel mit seinen Freunden blieb erhalten, welchem man ebenfalls viel ??ber das Leben der Zeit entnehmen kann ??? auch ??ber Essen und Wein.

Datini wie auch sein enger Freund Ser Lapo bauten Wein an den Pistoieser H??ngen an. Er war qualitativ hochwertig, auf einer Stufe mit den anderen gro??en toskanischen Gew??chsen. Sein ???vino di Filettole??? und sein Carmignano waren so gut, dass sie zu schade seien, um ihnen Wasser zuzusetzen.?? F??r den vin santo holte er sich Rat bei Ser Lapo, der viel mehr als Datini vom Wein und dessen Anbau verstand. Daneben baute Datini trebbiano an und seine Besten ??? vernaccia (ein vino dolce) und greco. Letzteren, ebenfalls ein lieblicher Wei??wein, beschrieb der Kellermeister des Farnese-Papstes Paul III. als ???ein vollkommenes Getr??nk f??r edle Herren [???] er hat die Vollkommenheit in sich, in Farbe, Blume und Bukett.??? Aber Datini war wohl pers??nlich kein sonderlich begabter Winzer ??? sein Sozius Niccol?? di Piero riet ihm, lieber bei seinen Gesch??ften zu bleiben. Aber da Datini ein passionierter Weinliebhaber und -trinker war, viel dieser Rat auf unfruchtbaren Boden. Und mit Ser Lapo hatte er einen ?????nologen???, der ihm beim Ausbau und der Verbesserung seiner Weine half.
Dank des Archivfundes, ist auch die ??lteste Erw??hnung des Namens Chianti mit Bezug auf Wein ??berliefert ??? Francesco di Marco Datini bezeichnete so 1398 in einem seiner Korrespondenzen einen toskanischen Wei??wein.

Noch viel k??nnte man zu Datini und dem Wein schreiben, aber davon vielleicht ein anderes Mal mehr. Mit Gl??ck blieb das Archiv erhalten. Datinis Korrespondenzen sind somit eine vergleichbar spannende Quelle f??r die Weingeschichte des 14. jahrhunderts, wie es die Tageb??cher Samuel Pepys f??r das 17. Jahrhundert sind. Wie leicht h??tte dieses Archiv verloren gehen k??nnen ??? zum Gl??ck ??berlebte es die 200 Jahre unter einer Treppe ohne gro??en Schaden. Treppen sind wahrlich kein Aufbewahrungsort f??r so etwas Empfindliches wie Schriftgut.

Da ich ein mich gerne mit der italienischen Fr??hrenaissance als auch mit Wein besch??ftige, w??hlte ich Francesco di Marco Datini zu Ehren meinen Twitter-Namen und benannte mein posterous-Blog nach ihm.

Die Zitate stammen aus:
??Origo, Iris: Im Namen Gottes und des Gesch??fts. Lebensbild eines toskanischen Kaufmanns der Fr??hrenaissance, M??nchen 1985, S. 267f.
??Erw??hnung findet Francesco di Marco Datini auch in:
Toskana, in: ??Das Oxford Weinlexikon, hrsg. von Robinson, Jancis, 3. Aufl. M??nchen 2007, S. 718 f.
Auch der Wikipediaeintrag zu Francesco di Marco Datini ist lesenswert.

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