Pinot noir spricht Deutsch – Ein Bericht mit Noten

Große Weine kosten leider viel Geld, sehr große Weine leider noch mehr. (Und manche Weine sind für normale Menschen kaum zu bezahlen.) Und ob so manch teurer Wein sein Geld wert ist, stellt man leider auch erst fest, wenn man ihn getrunken hat. Hier kann man manchmal auch ernüchternde Erlebnisse machen.
Glücklicherweise gibt es immer wieder Möglichkeiten, besondere Weine zu verkosten. Dies können Weinmessen sein, dies können öffentliche Weinproben bei Weinhändlern sein oder Weinverkostungen, die Weinliebhaber gegen eine Unkostenbeteiligung organisieren. Eine Veranstaltung der letzteren Kategorie besuchte ich am vergangenen Samstag. Weinfreaks.de organisierten eine Weinprobe zum Thema „Pinot noir spricht Deutsch“ in der Düsseldorfer Weinhandlung LaVinesse. Ich hatte mich dafür angemeldet, da es eine große Anzahl von Spitzenpinots aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol gab. Wann hat man schon die Gelegenheit, solche Weine zu probieren und zu vergleichen? Und sind wirklich alle spitze?

An diesem Abend stand ein strammes Programm an, insgesamt 29 Weine wurden verkostet. Die Runde wurde durch einen Gast erweitert. Gerhard Stodden vom renommierten VDP-Weingut Jean Stodden von der Ahr bereicherte die Runde nicht nur durch sein Fachwissen.
Die Weine wurden blind degustiert und in loser Reihenfolge präsentiert, also weder nach Anbauregion noch Jahrgang sortiert. Aufklärung gab es erst am Ende der Verkostung – und da kam es doch zu ein paar Überraschungen – aber dazu gleich mehr. Bewertet haben wir die Weine nach dem 100-Punkte-System. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass es immer schwierig ist, Weine in einem Punkteraster zu verorten. In einer solchen Degustation bietet es sich aber an und war auch gewünscht.

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Ergänzt wurde die Degustation  von einem wunderbaren Hirschragout mit Rotweinjus, Penne und winterlichem Gemüse. Dazu gab es den „kleinsten“ Wein der Probe, der aber nicht der „schlechteste“ war, einen 2007er Spätburgunder trocken No.1 von Später-Veit aus Pisport (88 Pkt.). (An dieser Stelle nochmals einen Dank an den Koch und Gastgeber Hartwig Fricke.)

Zusammenfassend lässt sich aus meiner Sicht festhalten, dass die Weine sich meist auf einem sehr hohen Niveau befanden, das den internationalen Vergleich nicht scheuen muss.
Als Siegerweine gingen die Weine des Gastes aus der Verkostung – natürlich ohne dies gewusst zu haben. Sein 2006er Spätburgunder Lange Goldkapsel beeindruckte durch Aromen von Walderdbeeren und Kirsche und einer angenehmen Würzigkeit. Er präsentierte sich elegant, samtig und sehr filigran (94 Pkt.). Sein zweiter Wein, der 1997er Recher Herrenberg Spätburgunder Auslese trocken „JS“ lief quasi aufgrund seines Alters außer Konkurrenz. Er präsentierte sich unheimlich dicht und stoffig und mit sehr eleganten Reifenoten. Gleichzeitig zeigte er noch viel Potenzial. Unheimlich beeindruckend. (96 Pkt.)

Leider war ein Wein ein Korker. Es war der 2007er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Spätlese trocken von August Kesseler, ein Wein, von dem ich am nächsten Tag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung las, dass er der „Rotwein des Jahres“ sei.

Eine von zwei großen  Überraschungen war der 2007er Pinot noir von Friedrich Becker. Er wurde vom Gault Millau als bester Spätburgunder mit 97 Punkten ausgezeichnet. Aber in der Verkostung konnte er dies nicht einlösen und sorgte für generelle Verwunderung. In der Nase dominierten minzige und krautige Aromen, daneben Töne von Brennnessel. Auf der Zunge fanden sich die minzigen Aromen wieder, daneben rote Früchte, er war pfeffrig und recht frisch. Ein sehr guter Wein, aber kein herausragender – was lief hier falsch? Unser Wein muss wohl aus einem anderen Fass als der des Gault Millaus gekommen sein. (89 Pkt.)

Die zweite Überraschung war der Einstiegswein. Sicherlich ein undankbarer Platz in einer Verkostung, aber selbst unter dieser Prämisse – er war der schwächste Wein des Abends. Überraschenderweise handelte es sich um den 2007er Jaspis Pinot noir von Ziereisen, einem Winzer, dessen Pinots ich sehr schätze. Der Wein präsentierte sich mit einer recht fruchtigen Nase und vegetabilen Noten. Er schmeckte frisch, hatte eine klare Kirschfrucht aber auch sehr viel Säure. Leider hatte er kaum Körper und war im mäßig langen Nachklang etwas bitter. Der Wein war definitiv viel zu jung, wie er sich entwickelt, muss man abwarten. (84 Pkt.)

An diesem Abend wurde eines wieder sehr deutlich: Pinot noir ist eine Rebsorte, die eine unheimliche Geschmacksvielfalt hervorbringen kann. Die Weine werden unheimlich stark von Weinbergslage und Kellertechnik, aber auch den verwendeten Klonen geprägt. Sie beeindrucken mit ihrer Kühle, durch ihre Fruchtigkeit und im besten Fall mit einer großartigen Eleganz. Im Vergleich zu den deutschen Pinots, die natürlich untereinander schon sehr unterschiedlich ausfallen, zeigten sich die Österreicher generell etwas stoffiger und kräftiger, die Schweizer etwas kühler in ihrer Art. Alle drei Länder hatten Vertreter in der Verkostung, die als herausragend bezeichnet werden können. Da nur zwei südtiroler Pinots dabei waren, möchte ich hier kein Urteil über die Möglichkeiten dieser Region fällen. Beide waren durchaus sehr gut, einer recht säurebetont (Haas / 88 Pkt.), der andere etwas unausgewogen und recht würzig (Hofstätter / 88 Pkt.).

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Meine Highlights der Verkostung waren neben den Weinen von Stodden: Der Mattmann von Thomas Mattmann (91+ Pkt.), Pinot noir trocken von Paul Achs (92-93 Pkt.), Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder „R“ von Rudolf Fürst (92+ Pkt.), Pinot noir trocken von Josef Pöckl (91+ Pkt.), Graacher Himmelreich Pinot noir trocken *** von Markus Molitor (92+ Pkt.) und der Schlatter Spätburgunder „SW“ von Martin Waßmer (91 Pkt.).

Als Überraschung gab es noch zwei Fassproben – wobei es sich, wie sich später herausstellte, um den gleichen Wein handelte, einen 2007er Bischoffinger Steinbuck Pinot noir trocken von Karl-Heinz Johner. Er wurde einmal nicht dekantiert verkostet, danach in der Spezialkaraffe Ovarius. Während der Wein sich bereits im ersten Durchgang sehr gut präsentierte (88 Pkt.), wirkte er im Ovarius dekantiert viel gereifter. Er war in der Nase ausgewogener und kraftvoller im Geschmack, wie Jahre gereift. Es wurde deutlich, welchen „Widrigkeiten“ die Beurteilung von Weinen unterliegt. Denn jetzt sah ich ihn bei 89+ Punkten – und wusste nicht, dass es der gleiche Wein war. Herrlich tückisch!

Und hier zum nachlesen die Weine in ihrer präsentierten Reihenfolge und meine vergebenen Punkte:

2007er Jaspis Pinot noir
Zierei
sen, Efringen-Kirchen
Deutschland Baden
84

2007er Eichholz Pinot noir
Eichholz – Irene Grünenfelder-Hunger, Jenins
Schweiz
87

2006er Pinot noir trocken
Claus Preisinger, Gols
Österreich Burgenland
88

2008er Pinot noir »H«
Christian Hermann, Fläsch
Schweiz
90

2007er Oberrotweiler Eichberg Spätburgunder
Großes Gewächs VDP
Salwey, Vogtsburg-Oberrotweil
Deutschland Baden
90

2006er Pinot noir trocken
Heinrich, Gols
Österreich Burgenland
87

2007er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder trocken
August Kesseler, Rüdesheim-Assmannshausen
Deutschland Rheingau
Kork

2007er Achkarrer Schlossberg Spätburgunder ***
Großes Gewächs VDP
Dr. Heger, Ihringen
Deutschland Baden
88+

2005er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder trocken
Krone, Rüdesheim-Assmannshausen
Deutschland Rheingau
90

2007er Spätburgunder trocken No. 1
Später-Veit, Piesport
Deutschland Mosel
88

2007er Bischoffinger Steinbuck Pinot noir trocken
Karl H. Johner, Vogtsburg-Bischoffingen
Fassmuster
Deutschland Baden
88 bzw. 89+

2007er Pinot noir Der Mattmann
Cicero Weinbau – Thomas Mattmann, Zizers
Schweiz
91+

2006er Pinot noir trocken
Paul Achs, Gols
Österreich Burgenland
92-93

2006er Bürgstadter Centgrafenberg Spätburgunder »R«
Großes Gewächs VDP
Rudolf Fürst, Bürgstadt
Deutschland Franken
92+

2006er Spätburgunder Lange Goldkapsel
Jean Stodden, Rech
Deutschland Ahr
94

2005er Pinot noir trocken
Hirschhorner Hof – Frank John, Neustadt-Königsbach
Deutschland Pfalz
90+

2005er Vigna S. Urbano Pinot nero
J. Hofstätter – Barthenau, Tramin
Italien Südtirol
88

2006er Hecklinger Schlossberg Spätburgunder trocken »R«
Bernhard Huber, Malterdingen
Deutschland Baden
89

2006er Ottoberg Blauburgunder Alte Rebe
Michael Broger, Ottoberg
Schweiz
89

2006er Pinot noir trocken
Prieler, Schützen am Gebirge
Österreich Neusiedlersee-Hügelland
86

2006er Altenahrer Eck Spätburgunder
Großes Gewächs VDP
Deutzerhof – Cossmann-Hehle, Mayschoß
Deutschland Ahr
88

2007er Pinot noir
Friedrich Becker, Schweigen-Rechtenbach
Deutschland Pfalz
89

2007er Pinot noir trocken
Josef Pöckl, Mönchhof
Österreich Burgenland
91+

2007er Pinot nero Schweizer
Franz Haas, Montagna
Italien Südtirol
88

2006er Pinot noir trocken Reserve
Gerhard Markowitsch, Göttlesbrunn
Österreich Carnuntum
89

2005er Graacher Himmelreich Pinot noir trocken ***
Markus Molitor, Bernkastel-Wehlen
Deutschland Mosel
92+

2002er Schlatter Spätburgunder »SW«
Martin Waßmer, Bad Krozingen-Schlatt
Deutschland Baden
91

1997er Recher Herrenberg Spätburgunder Auslese trocken »JS«
Lange Goldkapsel
Jean Stodden, Rech
Deutschland Ahr
96

Es wird übrigens am 27. Februar 2010 einen zweiten Teil dieser Verkostung geben.

Links:

http://weinfreaks.de/
http://lavinesse.de/
http://augsburgblog.com/?p=246

 

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Eine Antwort zu Pinot noir spricht Deutsch – Ein Bericht mit Noten

  1. Anonymous schreibt:

    es war es tolles Event – danke an den Werner Elflein – sch??ner Bericht

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