Gegen die Str??mung!? – M??venpicks US-Offensive

Am 24.07.2007 meldete das Statistische Bundesamt „Weine aus ??bersee immer beliebter“. Im Jahr 2006 haben die Deutschen sehr viel Wein aus der sogenannten Neuen Welt konsumiert, die Zuwachsraten im Absatz reichten im Vergleich zum Jahr 2000 von 94,2% bei den USA bis zu 207% bei Australien. ??berseewein war im Trend. Doch in den folgenden Jahren wendete sich das Blatt. 2007 konnte Chile noch einen Zuwachs von 15,8% verbuchen, aber die Importmengen aus Australien und den USA nahmen bereits ab. Im Jahr 2008 sanken die Importe aus beiden L??ndern weiter, und nun auch die chilenischen um 14,9%. Nur Argentinien und S??dafrika verbuchten steigende Exporte nach Deutschland. Leider liegen mir noch keine Zahlen f??r 2009 vor, doch vermute ich stark, dass diese Tendenz anhielt. Gerade s??dafrikanischer Wein scheint immer beliebter zu sein, sicherlich bedingt durch kontinuierlich steigende Qualit??ten und nicht zuletzt dank der nahenden Fu??ball-Weltmeisterschaft, die Neugierde weckt. Es scheint, als w??re die Boomphase der Weine aus der „Neuen Welt“ vor??ber. Manche Konsumenten fragen sich, warum ihr Wein einmal um die Welt reisen m??sse – wobei die Umweltbelastung durch einen Container auf einem Containerschiff wohl kaum gravierender ist, als der Transport mit einem LKW von Spanien nach Deutschland. Viele misstrauen den Produktionsmethoden aus der „Neuen Welt“, f??rchten sich vor Eichenchips oder Spinning Cone Columns. Wein sei dann nicht „authentisch“ – europ??ische Weinbautradition gegen moderne Kellertechnik aus ??bersee. Mir scheint daher, der Trend geht in Deutschland auch weiterhin weg von Neue-Welt-Weinen – vorerst mit der gro??en Ausnahme S??dafrika und der kleinen Ausnahme Argentinien. Und mit seiner rund 300j??hrigen Weinbautradition wird S??dafrika von manchem Weintrinker nicht einmal als „Neue Welt“ wahrgenommen.

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Nun erhielt ich die Tage die neue Werbung von M??venpick Weinkeller. ??ber 30 Seiten stark und ??berschrieben mit „Trends & Tradition – Spring Offer 2010“. ??ber 60 Weine aus der „Neuen Welt“, wie Paul Smyth sie im Vorwort bezeichnet. „Neue Welt“ und „Tradition“ in einem Zusammenhang? Das sind doch oberfl??chlich betrachtet zwei ganz unterschiedliche Schubladen. Zumindest werden sie von vielen Konsumenten nicht als zusammengeh??rig wahrgenommen. Aber man muss hierbei auch nicht zu kleinlich sein.
Aber viel st??rker irritiert der Begriff „Trends“. Das Angebot setzt nicht gezielt auf die gesamte Bandbreite der „Neuen Welt“, sondern ist von US-Weinen dominiert. Von den 30 Seiten mit Angeboten, sind 23 Seiten Weinen aus den USA gewidmet. Hier r??stet M??venpick massiv auf. ??Trend erscheint mir gerade hier seltsam, da die Weine aus den USA seit Jahren eine konstant r??ckl??ufige Nachfrage haben – gemessen anhand der Importmenge. Ein Trend gegen die Nachfrage?
Neu ist, dass es weder Weine von Mondavi oder Ravenswood gibt – Constellation Brands scheint aus dem Sortiment zu sein. Stattdessen dominieren Weine neuer Weing??ter, bekanntere und weniger bekanntere. Das Spektrum reicht von g??nstigeren Weinen bis hin zu Dominus oder Opus One. Bei den anderen Neue-Welt-L??ndern findet man dagegen leider nur altbekanntes. Und f??r S??dafrika und Argentinien, den einzigen wirklichen Trendl??ndern, hat man gerade eine Seite mit drei Weinen bzw. zwei Seiten mit insgesamt vier Weinen parat. Flankiert wird das Ganze von f??nf Australiern, einem Neuseel??nder und drei Chilenen. F??r ein ??bersee-Angebot mehr als wenig – mit 44 amerikanischen Weinen handelt es sich hier eindeutig um eine US-Offensive.

Mit „Trends & Tradition“, scheint dieses Programm nichts zu tun zu haben. Im Gegenteil. Es wirkt, wie gegen die Str??mung ausgerichtet. Ich bin gespannt, ob sich dieses Programm durchsetzen wird. Es scheint mir im Moment eher so zu sein, dass neben den Weinen aus Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich, die den deutschen Wein-Markt ??sowieso dominieren, das Interesse vieler Weintrinker zu eher unbekannten Regionen tendiert. Neben S??dafrika oder Argentinien, scheinen sich viele entdeckungsfreudige Weintrinker f??r ??sterreich, Portugal oder auch Osteuropa und Griechenland zu interessieren. Es ist daher ??berraschend und interessant, wenn sich ein Weinunternehmen so klar festlegt. Gibt es vielleicht doch einen Trend zu US-Weinen? Handelt es sich um einen Versuch von Trendsetting? Die Hoffnung auf einen Obama-Effekt beim Wein? Ist es vielleicht das Ergebnis einer falschen Marktanalyse? Oder einfach Mut?

Mich als Liebhaber amerikanischer Weine freut es, endlich das Angebot f??r US-Wein in Deutschland erweitert zu sehen. Lange genug pr??gten die Basislinien von Gallo, Mondavi und Fetzer das Bild des amerikanischen Weines in der breiteren ??ffentlichkeit. Hier gilt es noch einiges zu entdecken. Es ist daher sicherlich nicht von Nachteil, eine solche Produktpalette in Deutschland anzubieten. Aber kann sie sich auch durchsetzen??? Dies bleibt wie immer abzuwarten.

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4 Antworten zu Gegen die Str??mung!? – M??venpicks US-Offensive

  1. Anonymous schreibt:

    Sehr interessant und hilfreich. Ich werde Ende 2010 eine Probe ueber US Weine in Hochheim am Main leiten. Ist Moewenpick der beste Ansprechpartner zum Kauf der Weine? Ich will auf jeden Fall im unteren und mittleren Preisbereich bleiben. Wer sonst noch hat ein repraesentatives Angebot? Kalifornien, Oregon, Washington State, Ostkueste. Hier noch was zum Thema New World Wines.http://schiller-wine.blogspot.com/2010/01/wine-trends-in-global-wine-world-old.html

  2. Anonymous schreibt:

    Also das Moevenpick-Angebot ist jetzt ganz gut. Aber bei weitem nicht ??ppig. Betrifft aber leider zu ca. 99% nur Kalifornien. Sonst hilft nur, bei Online-H??ndlern zu suchen. Da gibt es mehrere mit einem halbwegs vern??nftigen Angebot. Ich finde generell das Angebot von US-Weinen in Deutschland f??r zu marginal. Der Markt gibt aber wahrscheinlich nicht so viel her.

  3. Anonymous schreibt:

    Danke. Welche on-line Haendler kommen da in Frage? Ich klenne die Weinhalle in Nuernberg. Ich kenne auch den Importeur von Woelffer Estates Long Island. Was noch?Christian

  4. Anonymous schreibt:

    Schwierig zu sagen, ich kenne keinen H??ndler, der einen Schwerpunkt auf US-Weine hat. WeinUnion hat einige. Dann noch westcoastwine. Als Gro??h??ndler pacificwine oder Ruesing. Man muss halt schon gezielt nach US-Wein suchen.Gr????ePeter

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