Wein-Marketing im Web 2.0: Bodenschatz & Ros?? 2009 im #stantonytest

Das Web 2.0 ist kein Selbstzweck. Weder ist Twitter ein SMS-Service für Geizige, noch Facebook eine reine Kontaktdatenbank. Das heißt nicht, dass man diese sozialen Netzwerke nicht so nutzen könne; ihr wirklicher Nutzen erschließt sich aber erst, wenn man den ökonomischen Nutzen in ihnen erkennt. Nicht jeder Facebook-Freund ist ein realer Freund, viele kennt man gar nicht persönlich. Es geht hier um Informationsaustausch, Diskussionsmöglichkeiten, um die Herstellung von Kontakten. Und nicht zuletzt, um Werbung für eigene Produkte zu machen. Dies geschieht nicht über schnöde Banner-Werbung. Man macht sein Produkt attraktiv, in dem man selbst in den Netzwerken aktiv ist. Man weckt die Neugier, für die eigenen Produkte, indem man sich selbst präsentiert. Ein plumpes „Kauft mein Produkt!“ funktioniert nicht – aber indem man Diskussionen führt, interessante Ideen veröffentlicht etc. wird man selber für manche zu einer interessanten Person. Und über deren Produkte, Dienstleistungen wollen dann andere eventuell mehr wissen. Sie brauchen einen Verlag? Und sie twittern mit einem Verleger? Wen spricht man wohl als erstes an?
Soziale Netzwerke funktionieren deshalb so gut, da sie ökonomische Mehrwerte generieren.

Eine ganz andere Art der Produktwerbung hat das VDP-Weingut St. Antony gestartet. Blogger, Twitterer, Facebooker konnten ein Pre-Test-Weinpaket von dem Weingut ordern. Diese Weine erhielt man kostenlos, nur unter der Bedingung, vor dem Verkaufsstart dieser Weine sich via Twitter, Facebook oder Blog dazu zu äußern. Eine win-win-Situation. Der Eine erhält Weine, der Andere erhält ein öffentliches Feedback für seinen Wein. Der Vorteil ist dabei, dass man verschiedene Meinungen erhält, und dies nicht nur von Profis. Das breitgefächerte Bild kann eine interessante Sicht auf den Wein bieten. Hierbei besteht natürlich das Risiko, negative Meinungen ertragen zu müssen. Aber eine alte Weisheit besagt ja, auch eine negative Kritik ist besser als keine.

Nun konnte ich diese interessante Offerte nicht einfach an mir vorbeiziehen lassen. Und daher orderte ich das Paket von St. Antony und erhielt deren 09er Riesling „Bodenschatz“ und den 09er Rosé. Schauen wir mal, was diese Weine leisten:

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Zunächst zum Bodenschatz 2009:
Man muss vorbemerken, dass dieser Riesling erst vor kurzem gefüllt wurde und eigentlich noch nicht getrunken werden sollte. Auch Weißweinen tut Ruhe und Zeit sehr gut.
Der 09er Bodenschatz hat eine klare, elegant goldgelbe Farbe. Aufgrund seiner Jugendlichkeit bilden sich nach dem Eingießen einige Kohlendioxidbläschen an den Glasrändern.
In der Nase kämpfen drei Aromen um die Vorherrschaft. Erstens ist dieser Wein mineralisch. Zweitens riecht er stark nach Steinobst, Noten von Weinbergspfirsich und weißen Nektarinen.  Drittens dominieren noch kräftig Hefeextrakte. Man merkt, dass dieser Wein noch verschlossen in den Keller gehört und ein paar Wochen/Monate ruhe benötigt.
Geschmacklich beeindruckt er mit einer Vollmundigkeit. Der 08er war dagegen viel kantiger. Seit dem ersten Schluck freue ich mich auf die anderen Weine des Jahrgangs 2009. Der Bodenschatz ist natürlich trocken, besitzt aber eine schöne Fruchtigkeit, die ihn sehr harmonisch, aber auch ein bisschen wenig individuell macht. Er hat ausgesprochen wenig Säure für einen Riesling und ist noch etwas bitter. Retronasal dominieren erneut Pfirsich und Hefe.
Konsequenz aus der Verkostung: Flasche in den Kühlschrank und in den nächsten Tagen immer wieder verkosten. Der Wein ist noch viel zu frisch auf der Flasche.

Nun Rosé 2009:
Für den Rosé gelten selbstverständlich dieselben Vorbemerkungen, wie für die den Riesling Bodenschatz.
Der Wein präsentiert sich mit einer ausgesprochenen eleganten Farbe, die ich nicht benennen kann. Rosa wäre falsch, Lachsfarben ebenfalls. Er sieht aus, wie ein Rosé-Champagner. Also unheimlich versöhnlich  für einen Rosé-Nichtmöger wie mich. Die Jugendlichkeit des Weines zeigt sich auch darin, dass er quasi eine Mini-Perlage besitzt. Eine Wolke feinster Kohlendioxidbläschen schwebt kontinuierlich gen Himmel.
In der Nase präsentiert sich der Rosé 09 angenehm zurückhaltend. Keine Bonbon-Aromatik, zurückgenommene Erdbeeraromen dominieren. Daneben finden sich Aromen von hellen roten Beeren wieder, wie auch von rosa Pampelmuse. Also nicht die Frische einer Grapefruit, sondern das Süße der Pampelmuse. Wer gerne Blumen kauft, wird bestimmt auch manch floralen Ton genauer bestimmen können, ich kann dies nicht. Natürlich sind auch bei diesem Wein Hefeextrakte wahrzunehmen, doch hier deutlich schwächer.
Der Geschmack ist ebenfalls noch hefedominiert. Er ist sehr trocken und wenig fruchtig. Dies wirkt sehr erfrischend. Auch er ist  wie der Riesling vollmundig und ebenfalls noch von Bittertönen geprägt. Dies wird sich aber in der nächsten Zeit legen.
Der 2009er Rosé verheimlicht nicht seine Herkunft. Man schmeckt eindeutig, dass er eigentlich ein Rotwein werden wollte. Sehr versöhnlich, wie ich persönlich finde.
Auch diesen Wein werde ich in den nächsten Tagen weiterverkosten.

Ich werde die Entwicklung der Weine via Twitter (www.twitter.com/MarcoDatini) dokumentieren und später hier eine Zusammenfassung veröffentlichen. Also ruhig später noch einmal nachsehen.

Tag 2:

Bodenschatz: Die Hefearomen sind völlig verflogen. Die Steinobstnoten sind deutlich dezenter, nun dominieren Zitrus- und grüne Apfelaromen. In der Nase „Mineralik“. Der Wein ist im Mund deutlich ausgewogener als gestern. Er präsentiert sich vollmundig, mit einer angenehmen Frische. Er ist recht mineralisch. Ein ausgesprochen guter Wein. Es müsste etwas wärmer sein – auf dem Balkon in der Sonne passt er richtig.

Rosé: Auch hier sind die Hefenoten verschwunden. Noch immer steigt beim eingießen eine Wolke von Kohlendioxidbläschen auf. In der Nase verheimlicht er nicht seine Herkunft – typische Pinotaromen. Die Erdbeeraromen sind schwächer, ebenfalls die Beerennoten. Auf der Zunge überzeugt er dagegen mit Erdbeer- und roten Beerenaromen. Eine angenehme leichte Säure gibt dem Wein eine angenehme Frische. Kann man neben den Bodenschatz auf den Balkon stellen.

Morgen geht es dann weiter…

Tag 3:

Bodenschatz:Weniger Zitrus als gestern. Dafür stärkere Apfelnoten. Gelbe und grüne äpfel im Verhältnis 65 zu 35. 🙂 Daneben finden sich exotische Früchte. Wein bekommt eine cremige Textur, schmeichelnd. Säure ist sehr harmonisch eingebunden, er wirkt nicht mehr so frisch. Dafür wirkt er komplexer und schwerer. Ich vermute, irgendwann im Laufe des morgigen Tages überschreitet er seinen Zenit. Abwarten.

Rosé: In der Nase nicht groß anders als gestern. Florale Noten – keine Ahnung, ob die gestern vielleicht auch schon da waren. Hat ganz leicht an Frische verloren – ansonsten gilt die Beschreibung von gestern. Die Säure ist jetzt eingebunden, der Wein wirkt rund.Finde ansonsten keine auffälligen Veränderungen.

Wie wird es wohl morgen sein?

Tag 4:

Ich kam leider nicht dazu, die Weine zu testen…

Tag 5:

Das gleiche Problem wie gestern. Mist!

Tag 6:

Rosé im Glas. Immer noch sehr gut. Etwas an Frische verloren. Macht noch immer Spaß, passt sehr gut zum Essen. Gibt einen provenzalischen Schweinebraten. Den Rest der Flasche zum Essen getrunken – morgen noch mal nach dem Riesling schauen.

Tag 7:

Riesling im Glas. Auch er hat an Frische eingebußt, schmeckt aber noch immer gut. Zitrusnoten und Mineralik dominieren das Aromaspektrum. Ich beende den Test. Und trinke die Flasche Riesling leer – ist ja nur ein Glas.

 

Link:
http://www.st-antony.de/

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2 Antworten zu Wein-Marketing im Web 2.0: Bodenschatz & Ros?? 2009 im #stantonytest

  1. Anonymous schreibt:

    Hallo Peter, bei uns haben sich die beiden "Weinbabys" nicht solange gehalten, am 2. Abend war alles weg… 😉 Jedenfalls eine interessante webZwoNullige Aktion von #stantonytest, oder?Lieben Gru??, Stefanhttp://baccantus.de/wordpress/?p=1217

  2. Anonymous schreibt:

    Hi Stefan,musste mich auch z??geln. War interessant zu beobachten, wie sich die Weine in dem Zeitraum entwickelt haben. Die Idee von St. Antony finde ich gro??artig – so webZwoNullig wie Web 2.0 sein kann. :)Dein Schnee-Foto ist ??brigens gro??artig!Beste Gr????e, Peter

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