Durchs wilde PINOTistan – eine Reiseaufforderung / Weinrallye #32

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Pinot noir – Spätburgunder: Zwei Worte für eine Rebsorte, beim ersten Namen denkt man eher an große Weine, französische Küche oder Reisen durch Napa Valley, beim zweiten hingegen weichen viele Menschen zurück und denken an dünne Weine aus vergangenen Tagen. Viele Konsumenten haben Berührungsängste mit Deutschlands bedeutendster Rotweintraube. Schade…

In den letzten Monaten hatte ich einige Begegnungen mit Pinot noir. Zwei Verkostungen ermöglichten mir den Einblick in die Welt des Pinot noir aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. Bei einer weiteren Verkostung konnte ich diverse Burgunder degustieren. (s.u.) Immer wieder begegnete ich Pinots, zu Hause, auf Messen oder beim Händler. Es war eine Reise durch die verschiedensten Länder der Welt. Und es war spannend, denn eines fiel immer auf: Pinot ist nie gleich Pinot. Vielmehr ist der Pinot noir der Riesling unter den Rotweinrebsorten. Keine rote Rebsorte wird m. E. so von seiner Herkunft geprägt. PINOTistan muss man daher intensiv bereisen.

Wenn ich meine Erfahrungen zu einem Bild zusammenfüge, stelle ich fest, dass die lange währende Vorherrschaft Frankreichs mittlerweile gebrochen wurde. Selbstverständlich findet man in Frankreich noch immer legendäre Weine, die kaum einzuholen sind, doch in der Oberklasse ist der Kampf hart geworden. Deutschlands Spätburgunder wurden z.B. zu einer echten Herausforderung. In den einzelnen Regionen und Lagen entwickelt der Spätburgunder bei vernünftiger Bearbeitung Qualitäten, die mehr als beeindrucken. Von schweren rotbeerigen bis hin zu kräuterigen Weinen, meist von einer erfrischend kühlen Stilistik geprägt. Eine Reise von Baden bis an die Ahr ist ähnlich vielfältig, wie eine Tour von Marsannay bis Santenay. Häufig findet man mehr Eleganz in ihnen, als zum Beispiel in Österreich oder Kalifornien. Hier werden meist sehr opulente Pinots gemacht, die ebenfalls ihren Reiz haben. Und auch in der Schweiz finden sich ganz vorzügliche Pinots, nicht nur von den berühmten Gantenbeins.  Wichtig ist für mich, dass die Weine ihre Herkunft nicht verbergen. Im Gegensatz zu manch opulenten Pinot noir aus manchem Keller Kaliforniens, bevorzuge ich die Weine von Au Bon Climat, die auf französische Art die Typizität von Santa Barbara widerspiegeln. Denn kein Ort der Welt sollte austauschbar sein, sonst langweilt die Reise.

Aber wenn man von Pinot noir spricht, dann muss man auch immer über Preise reden. Und diese sind bei den sehr guten Weinen leider nicht niedrig. Aber hier liegt die eine Stärke des deutschen Spätburgunders. Deutschlands Spitzengewächse bewegen sich auf dem Preislevel von burgundischen 1er Crus, können aber teilweise deutlich bessere Qualität liefern. Grand Crus von der Côte d’Or sind kaum unter 100 Euro zu erhalten – und auch hier können einen Enttäuschungen erwarten. Manchmal halten die Länderkategorien einfach nicht mit dem internationalen Standard mit. So ist das nun mal. Aber auch in der Basisqualität sind Spätburgunder attraktiv und meist günstiger als Villages-Lagen oder selbst einfache Bourgogne. Auch hier lohnt es sich auf Suche zu gehen.

Dies soll natürlich kein Plädoyer gegen Frankreich sein – im Gegenteil. Ich liebe schon lange die Weine des Burgunds. Dies soll vielmehr ein Aufruf sein, auch Pinot noir aus anderen Gebieten zu trinken, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Sich nicht von anderen Namen abschrecken zu lassen. PINOTistan ist groß und hat viele Überraschungen parat. Man muss sich nur auf die Reise begeben.

 

Diese Reiseaufforderung ist Teil der Weinrallye #32 zum Thema Spätburgunder. Aufgerufen hat diesmal Iris Rutz-Rudel.Besucht auch andere Blogs und lest die dortigen Artikel. Am besten reist es sich gut vorbereitet!

 

Links:

http://marcodatini.posterous.com/pinot-noir-spricht-muttersprache

http://marcodatini.posterous.com/pinot-noir-spricht-deutsch-ein-bericht-mit-no

http://marcodatini.posterous.com/pinot-noir-spricht-deutsch-teil-2-und-wieder

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