Gut bleibt gut – eine Restaurant (-f??hrer) Kritik aus Dortmund

Die Dortmunder Gastronomieszene wird schon seit l??ngerer Zeit von den gro??en Restaurantf??hrern umschifft. Besonders aktiv im Schlechtmachen sind der Feinschmecker und der Gault Millau. Letzterer l??sst seinen Rhein-Ruhr-Tester im Fernsehen verk??nden, dass man nach dem Weggang von Thomas B??hner einen kulinarischen Bogen um Dortmund machen k??nne. Zu dieser Zeit hatte ein Restaurant in Dortmund 16 Punkte in diesem F??hrer. Man h??tte einen Fehler oder Dummheit eingestehen k??nnen – aber man wertete lieber das Restaurant ab und best??tigte sich selbst. Self-fulfilling prophecy. Der Feinschmecker ist noch besser. Sein Tester scheint seine Heimat und Testregion zu hassen. W??hrend andere Tester die Restaurantszene in ihrer Region f??rdern wollen, schreibt Herr Krause gerne die Restaurants in die Mittelm????igkeit. Besonders hat die Stadt Dortmund darunter zu leiden – hier wird die lokale Spitzengastronomie nicht erw??hnt, daf??r aber einige H??user, die mit Gut-B??rgerlicher-K??che gl??nzen. Nach einer Anfrage erhielt ich eine E-Mail aus Hamburg von der Redaktion, in der mir mitgeteilt wurde, dass diese von einem der drei ???Gourmetrestaurants??? nicht einmal wusste, dass dieses bereits weit ??ber ein Jahr existierte. Man sollte vielleichte mal seine Tester in den Regionen besser pr??fen.

Bei dem erstgenannten Restaurant handelt es sich um das ???La cuisine Mario Kalweit??? (ehemals ???La cuisine d???art manger???), beim letztgenannten um das ???George??? im Pullman Hotel Dortmund. Das dritte herausstechende Restaurant ist das Turmrestaurant Florians – wie der Name schon verr??t, es befindet sich im Fernsehturm in Dortmund. Und findet nat??rlich auch nirgends Erw??hnung.

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Blick von der ??ber dem Restaurant gelegenen (Raucher-)Plattform auf das Westfalenstadion

Gestern ??war ich wieder einmal zu Gast im Turmrestaurant. Man kann sich direkt von der Aussicht fesseln lassen, wann hat man schon die M??glichkeit, in ca. 130m H??he gut essen zu k??nnen. Aber der Blick nach drau??en sollte nicht zu sehr vom Essen ablenken. Und dies war wahrlich nicht schlecht.

Neben dem regul??ren Menu gibt es zurzeit ein Spargelmenu, ein 4-G??nge-Menu in dem inklusive des Desserts Spargel verwendet wird. Nach dem ich letzten Sommer bereits bei ???Christian Etienne??? in Avignon ein Tomaten-Menu gegessen hatte, bin ich f??r solche Experimente besonders gerne zu haben. Hier kurz die Menuabfolge:

?????????????????? Gru?? aus der K??che (Spargels??ppchen mit Wiener Schnitzel)

?????????????????? Roh marinierter Spargel mit polnischer Sauce, Lachsbruschetta und feinem Kr??utersalat

?????????????????? Mild gegarter St. Pierre mit Enokpilzen, Serranoschinken und Spargelespuma

?????????????????? Franz??sisches Stubenk??ken mit gegrilltem Spargel, Sauce Hollandaise und roter Zwiebelmarmelade

?????????????????? Variationen von Spargel und Erdbeere (karamelisierter Spargel, Spargeleis, Spargelmousse, gepfefferte Erdbeeren und Erdbeerespuma)

Das Essen war sehr gut, Kritik kann wenn nur auf einem sehr hohen Niveau angebracht werden. Sich hier ??ber Garzeiten zu unterhalten, w??re eine Frechheit. Technisch war ??berhaupt nichts auszusetzen. Manchmal war mir etwas zuviel auf dem Teller – lieber etwas weniger Sauce Hollandaise und Zwiebelmarmelade. Aber das wird bei vielen deutschen Konsumenten wahrscheinlich immer noch zu wenig gewesen sein. Sch??n war, dass die Abstimmung der einzelnen Komponenten zu einem sehr guten Gesamtbild f??hrte. So federte die rote Zwiebelmarmelade mit ihrer nat??rlich S????e perfekt die Bitternoten des Spargels auf. Die unterschiedlichen Zubereitungen des Spargels zeigten, wie vielf??ltig dieses Gem??se ist, das in Deutschland doch meist schn??de mit Fertighollandaie und Formfleischschinken vertilgt wird.
Die Weinbegleitung war passend ausgew??hlt – sie war ??brigens im Menupreis einbegriffen. Mir pers??nlich waren die Weine an sich etwas zu einfach – es waren ein badischer Sauvignon Blanc und eine Merlot-Montepulciano-Sangiovese-Cuv??e aus Latinum. Hochwertigere Weine h??tten aber nat??rlich nicht den Menupreis erm??glicht – und den meisten Menschen geht es beim Essen gehen ja nun nicht um die besten Weine, sondern um sehr gutes Essen mit guten Weinen. Was auch v??llig richtig ist.

Warum das Turmrestaurant Florians noch immer von den Gastro-F??hrern nicht erw??hnt wird, kann man sich nach diesem Abend nicht vorstellen. Dass Dennis Rother leider knapp den Einzug ins Finale der ???Jungen Wilden??? verpasste, obwohl er wohl punktgleich mit dem einziehenden Finalisten war, ist f??r ihn ??rgerlich – es verdeutlicht aber auch, dass das Turmrestaurant einen jungen mehr als hochtalentierten Koch besitzt. Generell ist das gesamte Team sehr jung, extrem engagiert und besitzt einen sehr hohen Professionalit??tsgrad. Ich bin gespannt, wie Dortmund im n??chsten Jahr erw??hnt wird. Beim Guide Michelin hab ich ja noch Hoffnung (da testen wenigstens K??che) – aber ob der Feinschmecker und der Gault Millau sich noch einmal zusammenrei??en werden? Mal schauen. Was z??hlt ist gutes Essen und die Gastrof??hrer k??nnen einen den Weg dahin er??ffnen oder erschweren – das Essen bleibt aber davon unber??hrt. Gut bleibt gut.

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Gem??tliche Athmosph??re und bei gutem Wetter ein fulminanter Blick

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