Riesling undressed – Der "Mein Wein" in der #twv

Deutscher Wein ist auch nicht mehr das, was er noch vor einigen Jahren war. Da war er oft von eher mäßiger Qualität, vom Image her angestaubt und hatte eine Zielgruppe, die teilweise so alt war, wie das Design vieler Weinetiketten. Mittlerweile hat sich das glücklicherweise geändert. Die Qualität hat zugenommen, man bekommt für einen fairen Kurs guten Wein und auch das Image ist entstaubt. Es kann auch cool sein, deutschen Riesling zu trinken. Ein Beispiel:

Um einen Wein für ein jüngeres und weinunerfahrenes Publikum attraktiv zu machen, braucht man einen nackten, tätowierten Winzer, eine erfolgreiche skandinavische Comiczeichnerin und etwas Karton (weiteres zum Background hier). Das sieht dann so aus:

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Nun ist es naheliegend, dass ein ansprechendes und zielgruppenorientiertes Design einen Erstkauf positiv beeinflusst. Um letztendlich Konsumenten zu binden, muss aber das Gesamtprodukt überzeugen – in diesem Fall also auch der Riesling.

Im Glas präsentiert sich der „Mein Wein“ von Dirk Würtz goldgelb, in der Nase recht ausgeprägt und kraftvoll. Fruchtige Aromen von Pfirsich und Aprikose, dazu etwas Orangenblüten. Daneben finden sich Kräuternoten und Aromen von grünem Tee. Er entwickelt sich an der Luft sehr schnell, mal tauchen Noten von Stroh auf, dann erinnert er etwas an Erdnuss. Am Gaumen ist er trocken, von mittlerer Säure. Er hat einen ziemlich ausgeprägten Körper und wirkt sogar etwas cremig. Das Aromenspektrum ist auch hier recht vielschichtig. Fruchtige und pflanzliche Aromen dominieren.

Es ist beeindruckend was man für einen Wein in dieser Bag in Box vorfindet. Rechnet man den Preis in einen Flaschenpreis um, dann liegt dieser bei knapp unter 5 Euro. Häufig bekommt man in dieser Kategorie banale, eindimensional auf Frucht getrimmte Rieslinge, die nicht die geringste Komplexität vorweisen können. Hier das Gegenteil – und das noch in Bio. Wenn konsequent auf diesem Niveau Wein produziert würden, müsste man sich fast Sorgen um die Absatzmöglichkeiten für höherpreisige Weine machen. 🙂
Nicht, dass jetzt Missverständnisse entstehen: dies ist kein Grand Cru, aber Grand Spaß. Das Gesamtpaket aus Design und Inhalt ist einfach stimmig.

Seinen Härtetest durchlief der „Mein Wein“ am Montag in der Twitter Weinverkostung #twv. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein Wein solche Reaktionen hervorgerufen hat. Am treffendsten charakterisierte @weinpasta den Wein: „Ich sach jetzt mal was: das ist eigentlich kein Wein zum „Verkosten“ sondern zum Trinken“. Besser kann man es nicht sagen.

 

Zum Weingut: www.wuertz-wein.de

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