Ein Master Sommelier im Härtetest

Kulinariamagazine füllen gerne ihre Seiten und Tageszeitungen ihre Gastrorubriken ??mit Rezepten und dazugehörigen Weintipps. Manchmal sind die Rezepte so kompliziert, dass das Nachkochen bereits an der nötigen Küchenausrüstung scheitert – und wer findet schon die angegebenen Weine bei seinen Weinhändlern? Aber wenn sich schon die Möglichkeit bietet, dann sollte man auch den Test wagen.

Das Magazin DER FEINSCHMECKER präsentierte in seiner Weihnachtsausgabe 10 Gerichte und ließ jeweils einen Sommelier zehn dazu passende Weine empfehlen. Dies alles unter dem etwas fragwürdigen Cover-Aufmacher: „100 Lieblingsweine“. So musste Master Sommelier Hendrik Thoma zehn Weine zu Würstchen und Kartoffelsalat empfehlen und machte direkt mit zwei Bierempfehlungen aus 100 Lieblingsweinen nur mehr 98. Da ich zufälligerweise einen der Weine vorrätig hatte, nutzte ich die Gelegenheit: der Master Sommelier musste durch den Härtetest!

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Eine Weinempfehlung von Hendrik Thoma war der 2001er Riesling 2 von Dirk Würtz. Ein kantiger Wein. Reifenoten und gelbe Fr??chte dominieren die Nase, auf der Zunge ist eine markante Säure präsent. Kein Schmeichler. Kein Wein zum gemütlichen Trinken. Dieser Wein will und braucht ein Essen – und dieses Essen muss ausreichend Kraft haben, um bestehen zu können. Können dies Würstchen und Kartoffelsalat leisten? Glücklicherweise erübrigte sich die Frage nach der Zubereitungsart – erstens, da der Rezepthinweis zur Feinschmeckerhomepage nur sehr versteckt zu finden war (und von mir zu spät gefunden wurde), zweitens ist ein Kartoffelsalat mit Mayonnaise meines Erachtens ein kulinarisches Verbrechen. Also mit Essig und Öl.
Diese Zubereitungsart war richtig. Es war toll zu sehen, wie Wein und Essen harmonierten. Essig und Dijonsenf ließen die dominante Säure des Rieslings in den Hintergrund treten. Das Aromenspektrum des Rieslings explodierte geradezu. Gleichzeitig gewann der Kartoffelsalat durch den Wein an Finesse. Gerade die robuste Stilistik des Weines passte gut zu diesem Gericht. Solch ein Gericht braucht einen Wein mit Rückgrat. Die beiden harmonieren – ein gutes Paar.

Wer also denk: „Wozu braucht man schon einen Sommelier? Ich weiß doch, welche Weine ich mag.“, der sollte auch einmal einen solchen Versuch starten. Denn die Kombination von Wein und Speise eröffnet eine neue kulinarische Erfahrungswelt – jenseits der einzelnen Komponenten.

Ach ja, Härtetest bestanden. Tester beeindruckt und glücklich.

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