Besser spät als nie – eine besondere Spätlese in der Weinrallye #43

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Bis 1925 hieß Brauneberg noch Dusemond, ein Name, der mehr verrät, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Dieser Name beinhaltet nicht nur eine historische Komponente, sondern sagt auch viel über das Wesen der dortigen Weine aus. Wie eine im Zuge der Flurbereinigung Anfang der 1990er Jahre entdeckte römische Weinkelter am Fuße der Juffer Sonnenuhr die antiken Wurzeln der Lage greifbar macht, so reicht auch der Name Dusemond zurück ins Römische Reich – er leitet sich von dem lateinischen Namen „dulcis mons“ ab: der süße Berg. Schon vor fast 2000 Jahren war möglicherweise die Süße der Weine stilprägend.

Seit der Antike wird also hier Wein angebaut und die Wertschätzung der Brauneberger Juffer – von der erst später die Lage Juffer Sonnenuhrabgeteilt wurde – blieb stets groß. Nicht nur Thomas Jefferson und später Theodor Fontane schätzten die Weine. Als die linksrheinischen Territorien unter napoleonische Herrschaft fielen, wurden um 1804 die dortigen Weine nach französischem Vorbild klassifiziert. Die Brauneberger Juffer wurde in die I. Klasse aufgenommen – galt damit quasi als Grand Cru. Auch wenige Jahrzehnte später, die Mosel war nun preußisches Territorium, wurde eine erneute Klassifizierung vorgenommen – diesmal besonders aus fiskalischen Gründen. Der königliche Kataster-Inspektor Steuerrat Clotten nahm die Brauneberger Juffer in die höchste Wertstufe auf. Und auch heute ist die Brauneberger Juffer Sonnenuhr als Erste Lage durch den Verband Deutscher Prädikatsweingüter klassifiziert.

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Bild: Weingut Fritz Haag

Wie wurde aber aus dem dulcis mons eine Juffer bzw. Juffer Sonnenuhr? Für den Namen Juffer gibt es zwei Erklärungen. Die erste lautet, ein Winzer hätte seine Töchter lieber im Weinberg arbeiten lassen, als sie zu verheiraten – sie blieben also Jungfern bzw. Juffern. Von dieser Geschichte gibt es selbstverständlich diverse Variationen. Die zweite Erklärung führt den Namen auf die Nonnen des Franziskanerklosters in Filzen zurück, die im Brauneberg Weinberge besaßen. Mag erstere Erklärung schöner klingen, erscheint die zweite doch deutlich plausibler. Umso einfacher ist die Erklärung für den zweiten Namensteil – er bezieht sich auf die inmitten der Lage befindliche Sonnenuhr.

Die Brauneberger Juffer Sonnenuhr umfasst 10,25 Hektar und ist nach Süden bis Südwesten ausgerichtet. Der Verwitterungsboden hat einen Anteil von 60-80% an Devonschiefer, teilweise von Lehm durchwirkt. Dieser sorgt für eine gute Wasserspeicherung, was bei einer Hangneigung von rund 70% von Vorteil ist. Die Lage wirkt durch ihre topographische Struktur wie ein Hohlspiegel, so dass die Sonnenwärme hervorragend eingefangen wird. Neigung und Form erzeugen so ein besonderes Mikroklima.

Nicht nur der Weinberg hat eine weit in die Zeit zurückreichende Geschichte, auch so manches Weingut hat sehr alte Wurzeln. Das Weingut Fritz Haag – Dusemonder Hof kann auf eine über 400jährige familiäre Weinbaugeschichte zurückblicken. Zudem begegnen einem ??im Namen des Weinguts wieder die Wurzeln des Weinbaus in der römischen Antike. Nicht alle Weine aus den zwei Hektar Besitz in der Juffer Sonnenuhr werden restsüß ausgebaut – natürlich finden sich auch trockene Weine. Doch bei dieser Weinrallye stehen die Spätlesen im Mittelpunkt und diese sind – ganz dem duclis mons verpflichtet – restssüß.

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Die Weine:

Fritz Haag Brauneberger Juffer Sonnenuhr 2009:

Zun??chst ist die Nase etwas verhalten, was sich aber mit etwas Luft ändert. Es finden sich Noten von Kräutern, Grapefruit und tropischen Früchten, wie Kumquat und Mango. Dazu auch etwas Florales. Der Wein ist sehr frisch und von einer leicht cremigen Viskosität. Die Säure ist recht präsent und harmoniert mit der Süße des Weins. Noch finden sich leicht hefige Noten. Es kommen zu dem Geschmacksbild noch nussige Aromen hinzu. Er erinnert in diesem sehr jugendlichen Stadium etwas an Orangina – man kann ihn auch genauso gut trinken. 🙂 Dieser Wein braucht mindestens noch fünf Jahre, bevor man ihn wirklich trinken sollte.

Fritz Haag Brauneberger Juffer Sonnenuhr 2006:

Leider brauchte ich zwei Flaschen dieses Weins, da die erste einen Korkfehler hatte. Die zweite Flasche war dann in Ordnung, doch war der Korken völlig vom Wein durchzogen. In der Nase präsentiert sich der 2006er ganz anders als der 09er. Noten von Honig, Quitte, Mandeln und Grapefruitzesten finden sich. Der Wein hat eine frische Säure, die die Süße des Weins sehr gut ergänzt. Er wirkt recht mineralisch. Noch immer ist dieser Wein zu jung, das leicht ölig wirkende Mundgefühl lässt die Süße etwas aufdringlich wirken. Mit viel Luft legt sich dies ein wenig. Der 2006er beginnt langsam Spaß zu machen, sollte aber noch etwas liegen.

Fritz Haag Brauneberger Juffer Sonnenuhr 2005:

Dieser Wein braucht viel (!) Luft. Der Wein hat eine sehr intensive leicht unharmonische Nase, es finden sich Noten von Wildhonig, Kräutern, Quitte und Petrol. Mit der Zeit harmonisiert sich das Geruchsbild, die Petrolnoten verfliegen, die Quitte nimmt zu, die Honignoten etwas ab. Zunächst präsentiert sich der 2005er ölig und etwas breit. Es ist kaum Säure wahrnehmbar, dafür eine sehr vordergründige Süße, die ihn auch recht kurz im Nachklang wirken lässt. Wenn der Wein etwas länger belüftet wurde, verändert er sich komplett. Die Säure kommt stärker hervor, die Süße wirkt elegant, die Textur wird cremiger. Quitte und nussige Noten werden durch Zitrus- und Steinobstaromen ergänzt. Er zeigt kaum Reifetöne und hält nun sehr lange nach. Dieser Wein ist jetzt ??beeindruckend, hat aber noch viel Potential.

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11 Antworten zu Besser spät als nie – eine besondere Spätlese in der Weinrallye #43

  1. Werner Elflein schreibt:

    Dusemond von "dulcis mons"? Das h??tten die Brauneberger gerne, weil besser zu verkaufen als die richtige Herkunft des Namens. Die Duse ist ein kleines Fl??sschen/B??chlein, das bei Brauneberg in die Mosel m??det. Dusemond = M??ndung der Duse. (Quelle: Dr. Dirk Richter, M??lheim)

  2. Anonymous schreibt:

    Lieber Werner, kannst Du bitte einen richtigen Beleg daf??r bringen? Ein Doktortitel (in was ??berhaupt?) ist kein Beleg. Ein Winzer-Weinh??ndler-FDP-Politiker ist auch keine sonderlich schlagkr??ftige Referenz. Die Herleitung f??r den r??mischen Ursprung des Namens Dusemond kann man u.a. an diesen Stellen nachlesen:Andres, Stefan: Die gro??en Weine Deutschlands, Frankfurt/Main und Berlin, 1960, S. 21.Schmoll gen. Eisenwerth, Josef Adolf: Die Mosel, von der Quelle bis zum Rhein, M??nchen und Berlin 1963, S. 63.von Elbe, Joachim: Roman Germany, Mainz 1977, S. 275.Falls Du eine richtige Quelle f??r die andere Herleitung des Namens h??ttest, w??re ich dankbar diese zu erfahren.

  3. Werner Elflein schreibt:

    Lieber Peter,leider kann ich dir auch nur sagen, was Herr Dr. Richter mir seinerzeit zu dem Thema berichtet hat. Im Netz hat er unter http://www.maxferdrichter.com/0mfrbrau.htm zwar beide Varianten genannt, h??lt die mit der Flussm??ndung aber wohl f??r die glaubhaftere. Ich bin kein Sprachwissenschaftler, aber wenn das B??chlein schon zuf??llig Duse hei??t und sich 1:1 in dem nur wenig transformierten Namen Dusemond wiederfindet, wobei "mond" noch heute im Niederl??ndischen f??r M??ndung steht (vgl. zum Beispiel die St??dtenamen Roermond, Kleinmond), dann bin ich geneigt, darauf zu wetten, dass "dulcis mons" erst im Nachhinein auf das heutige Brauneberg gem??nzt wurde. Die von dir angef??hrten Quellen stammen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren. Frage: H??lst du es f??r m??glich oder wahrscheinlich, dass diese Interpretation im Zuge der S????weinwelle aufkam, oder hast du auch noch ??ltere Quellen gefunden? Wenn du mir zweifelsfrei nachweisen kannst, dass "dulcis mons" der richtige Ursprung ist, dann trete ich freiwillig f??r ein Jahr in die FDP ein und schreibe f??r Frau Koch-Mehrin eine neue Dissertation.Beste Gr????eWerner

  4. Anonymous schreibt:

    Lieber Werner,ungerne m??chte ich der FDP ein neues Mitglied schenken, noch soll Frau Koch-Mehrin eine anst??ndige Dissertation erhalten. Aber zur??ck zum Namensproblem:Die Erkl??rung f??r die M??ndung der Duse klingt nat??rlich auf den ersten Blick einleuchtend. Das Problem ist jedoch, dass die Bedeutung des Wortes "mond" f??r M??ndung – wie Du ja auch schriebst – aus dem Niederl??ndischen stammt – also aus dem niederdeutschen Sprachgebiet. Die Mosel liegt jedoch tief im mitteldeutschen Sprachgebiet. So ist diese Erkl??rung sprachhistorisch kaum aufrechtzuerhalten.Die ??lteste Erw??hnung die ich jetzt auf die Schnelle finden konnte, ist von 1951. In den mir gerade zug??nglichen B??chern des 19. Jahrhunderts habe ich keinerlei Hinweis auf die Herkunft dieses Namens gefunden. Daf??r habe ich eine weitere Erkl??rung entdeckt: Horst Dippel, der ja nicht nur Herausgeber des von Frank Schoonmaker begr??ndeten Weinlexikons ist, sondern von Hause auch Professor f??r Geschichte ist, wei??t neben meiner obigen Erkl??rung auf eine weitere m??gliche Herkunft hin. Der Ortsname leite sich m??glicherweise von "duos amandos montes super mosellam" (die beiden lieblichen Berge ??ber der Mosel) ab. In der Quelle taucht jedoch nicht das von Dippel angegebene "montes" auf – es erschlie??t sich aber aus dem Zusammenhang des Textes (-> http://bit.ly/ihYX0D). Die Formulierung stammt aus einer Schenkungsurkunde des Merowingerk??nigs Childebert II., also aus dem 6. Jahrhundert. Bei den "duos amandos super mosellam" handelt es sich einerseits um Dusemond und M??lheim sowie andererseits um M??den im Kreis Cochem/Zell. (Siehe hierzu Heinemeyer, Karl: Das Erzbistum Mainz in r??mischer und fr??nkischer Zeit: Die Anf??nge der Di??zese Mainz, Marburg 1979, S. 109. )Sollte also die Herkunft aus dem r??mischen dulcis mons falsch sein, dann stammt sie aus der Schenkung Childeberts II. – aber nicht aus der M??ndung eines Baches. Hierf??r gibt es keinen einzigen Hinweis.Ich hoffe, dass dies zumindest etwas mehr Klarheit geschaffen hat. Danke, dass Du aber mich auf diese Spur gebracht hast. Man sieht, man sollte sich noch mehr Zeit beim Verfassen von Blogartikeln g??nnen. :)Beste Gr????ePeter

  5. Werner Elflein schreibt:

    Lieber Peter,spannende Geschichte! Aber wie wird sprachlich aus dem sehr langen "duos amandos montes super mosellam" bzw. "duos amandos super mosellam" der Name Dusemond?Viele Gr????eWerner

  6. Anonymous schreibt:

    So wie aus "dulcis mons" Dusemond hergeleitet werden kann, also aus dulcis wird duse und aus mons wird mond, so wird bei "duos amados" aus duos duse und aus amandos mond. Finde ich als Herleitung nicht abwegig. Besonders wenn man sich die Entstehung von anderen Ortsnamen ansieht – so wurde beispielsweise aus Hanabruinborgar das heutige Hannover.

  7. Werner Elflein schreibt:

    Jetzt frage ich mich nur noch, warum das Fl??sschen unbedingt Duse hei??en und damit zur Verwirrung beitragen muss.

  8. Anonymous schreibt:

    Die Duse muss ja eher ein Rinnsal sein. Wo soll dieser Bach denn liegen. Hab mal bei Google, Google Earth etc danach gesucht und nichts gefunden. Es scheint sich dabei wohl um einen eher v??llig bedeutungslosen Bach zu handeln. Warum sollte solch ein B??chlein dann nicht seinen Namen durch den Ortsnamen erhalten haben?

  9. Werner Elflein schreibt:

    So herum habe ich es noch nicht betrachtet. Ist es aber nicht eher un??blich, einen Bach nach einem Dorf zu benennen?

  10. Anonymous schreibt:

    Ungew??hnlich schon, aber ist es damit ein Ausschlusskriterium? Aber am meisten interessiert mich immer noch, wo dieser Bach liegt. Das einzige Gew??sser namens Duse – welches ich fand – ist ein Fluss in Nordhessen.

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