Bairrada Garrafeira 1995 – gereifter Wein in der Weinrallye #45

Portugal – mit diesem Weinland verbanden die meisten Menschen lange Zeit wohl Portwein und Mateus Rosé. Heute kennt man den Douro nicht nur wegen des Ports, sondern auch wegen seiner großartigen Rotweine. Die Weißweine des Vinho Verde haben einen Ruf als frische Sommerweine. Dass es sich bei Vinho Verde nicht um einen Weinstil, sondern um ein Anbaugebiet handelt, ist häufig unbekannt. Man sollte unbedingt die großartigen Alvarinhos aus dieser Region probieren. Vielleicht kennt man noch Dao, eine Region, in der immer mehr guter Rotwein produziert wird. Aber die wenigsten dürften eine Region kennen, die südlich von Porto und westlich von Dao liegt – Bairrada.

Der Weinbau in Bairrada reicht bis ins 10. Jahrhundert zurück. Im 18. Jahrhundert waren die Weine dieser Region in England recht beliebt, wo sie häufig als Portweine vermarktet wurden. Um den Portwein zu schützen, ließ 1756 der portugiesische Ministerpräsident Marquês de Pombal die Weinberge der Region roden. Sie sollte sich von diesem Schlag lange nicht erholen. 1908 verlor Bairrada sogar den offiziellen Status einer Weinbauregion und nach langem und massivem Druck der betroffenen Winzer wurde sie erst 1979 in den Status einer Região Demarcada (RD) erhoben und später wie alle RDs zu einer Denominação de Origem Controlada (DOC) umgewandelt. Noch heute hat sich die Region nicht richtig von den Entscheidungen der Vergangenheit erholt. Die meisten Winzer bauen ihre Trauben für Genossenschaften an, erst seit den 1980er Jahren gibt es einige wenige Weingüter, die in Eigenregie Weine erzeugen. Ein Großteil der geernteten Trauben wird noch heute für den bereits erwähnten Mateus Rosé verwendet.

In Bairrada dominiert die Rebsorte Baga, was Beere bedeutet. Die kleine und dickschalige Rebsorte ergibt Weine mit hohem Tannin- und Säuregehalt. Die besten Weine dieser Region brauchen viel Zeit, bevor sie zugänglich werden. Diese Weine erkennt man an der Bezeichnung Garrafeira. Hierbei handelt es sich um einen Wein, der mindestens 0,5% mehr Alkohol als standardmäßig im DOC-Reglement vorgegeben enthalten muss. Dazu muss ein Bairrada mindestens drei Jahre im Fass und ein Jahr in der Flasche reifen.

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Der Casa de Saima Garrafeira 1995 ist granatrot. Braune Ränder verraten seine Reife. In der Nase Tabak und Leder. Daneben schwarze Johannisbeeren, eher gedeckt und nicht so konzentriert wie in chilenischem Cabernet Sauvignon oder in Crème de Cassis. Pflaume und dezente dunkle Beeren. Dazu eine Reifenote. Auf der Zunge hat der Wein noch eine kräftige Säurestruktur. Die Weinsäure ist deutlich an den Rändern und im hinteren Zungenbereich spürbar. Noch immer eine ausgeprägte Tanninstruktur. Leichte Bitternoten von Gerbstoffen. Es findet sich wieder die schwarze Johannisbeere und süßliche Noten die an Rosinen erinnern. Dieser Bairrada braucht zwei Dinge: Luft und gegrillte Steaks. Oder noch ein paar Jahre Zeit. Er ist definitiv ein Wein für Anhänger kräftiger Weine, die auch gerne die Tannat-Weine aus dem Madiran mögen.

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Eine Antwort zu Bairrada Garrafeira 1995 – gereifter Wein in der Weinrallye #45

  1. Gernot Kollmann schreibt:

    Datt Sauteil braucht nach Öffnen noch richtig Zeit, feste, reifeTannine, hervorragend Strukturiert. Leider etwas überreifer als in älteren Jahrgängen (siehe auch 13,5 Vol.%), hängt ein bisschen zu sehr im Pflaumigen, könnte ruhig noch Säurestabiler sein. Trotzdem toller Wein mit Zukunft und viel Eigenständig für Festigkeitstrinker ohne Fruchtwahn.

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