Jay and Silent Bob – Jay Miller verlässt den Wine Advocate

In den letzten Jahren wurde aber immer wieder Kritik laut, besonders wenn es um Bewertungen von Weinen hauptsächlich aus Spanien und Südamerika ging. Es erhielten Weine in einem Preissegment teilweise deutlich unter 10 Euro inflationär hohe Bewertungen. Immer wieder fanden sich in Weinwerbungen Weine, die um 8 Euro kosteten und die von den Händlern groß mit 90 und mehr Parker Punkten (PP) beworben wurden. Sehr angenehm für die Winzer und Händler. Auf der anderen Seite stellte sich die Frage, warum man für einen Bordeaux mit 90 PP 30 Euro und mehr zahlen solle, wenn man angeblich vergleichbare Qualität für deutlich weniger Geld in Spanien bekomme. Hier zeigten sich zwei Probleme. Erstens wurden die Beschreibungen zu Gunsten der Punkte in den Hintergrund gerückt. Unterschiedlichste Weine wurde auf Grund der Punkte gleichgesetzt. Zweitens wurde nie wirklich deutlich, wie das System des Wine Advocate aussah. Denn es ist nicht Robert Parker allein, der die Weine der Welt verkostet, sondern es ist ein Team von verschiedenen Verkostern, die für bestimmte Regionen zuständig sind. Die Bezeichnung der Parker Punkte ist also zugespitzt, es müsste für die Klarheit eigentlich „Wine Advocate Punkte“ heißen. Als vor kurzem Parker ankündigte, nicht mehr persönlich die Weine Kaliforniens zu verkosten, machten sich die dortigen Winzer nicht zu Unrecht Sorgen. Wird der neue Verkoster Antonio Galloni ebenfalls den auf Parkers Geschmack ausgerichteten Weinstil ebenfalls goutieren und entsprechende Punkte vergeben?

Jay Miller war der zuständige Verkoster des Wine Advocate für u.a. Südamerika und Spanien. In den letzten Jahren waren nicht nur seine oben angesprochenen Bewertungen Anlass für Unmut. 2009 geriet Jay Miller erstmals verstärkt in die Kritik, da er sich mehrfach wohl von namhaften und von ihn hochbewerteten Winzer hat einladen lassen. Seine Unabhängigkeit wurde in Frage gestellt. Dieses Jahr wurde erneut Kritik laut, da wohl für einen 2 Tages Besuch Millers in der D.O. Vinos de Madrid eine Gebühr von 20000 Euro erhoben wurde.
Heute kam die Meldung, dass Jay Miller den Wine Advocate verlässt. Miller und Parker betonen, dass es sich um einen freiwilligen Rückzug handelt.
Diese Entscheidung war überfällig, um wieder Ruhe beim Wine Advocate einziehen zu lassen. In Zukunft wird Neal Martin für die Weine Spaniens, Chiles und Argentiniens zuständig sein. Sicherlich wird sich nun einiges bei den Bewertungen ändern – was sicherlich nicht jeden Winzer freuen wird. Aber es ist gut für die Konsumenten, wenn die Bewertungen des Wine Advocate wieder in allen Bereichen einheitlicher und damit bedingt vergleichbarer sind. Und das beste wird hoffentlich sein, dass bald nicht mehr aus jeder Weinwerbung – sei es von Discountern, LEH oder Weinhändlern – einem die 90+ PP für spanische Weine unter 8 Euro entgegenbrüllen.  Jetzt müssen sich die Händler eine neue Strategie ausdenken – vielleicht mal eine die mehr informiert, als plakativ Punkte anzupreisen.
Auf jeden Fall wird der Wine Advocate erst mal wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten. Aber die Diskussionen um Parker und seine Punkte werden trotzdem nicht ganz verebben.

NACHTRAG: Am 5. Dezember teilte Neal Martin via Twitter mit, dass er bereits Ende März 2011 gefragt wurde, ob er die Länder Spanien, Chile und Argentinien als Verkoster übernehme. Er hat sich bereits Anfang August 2011 dazu bereit erklärt. (Original Tweet: „For the record, I was first asked whether I would take over Spain, Arg + Chile at end March 2011 and accepted in early August.“)

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