Die Komplexität von Weinjahrgängen

Bei einem natürlichen Produkt wie Wein, spielt der Jahrgang eine maßgebliche Rolle. Jeder Jahrgang präsentiert andere Weine. Daher wird auch immer wieder über sie berichtet. Leider wird dies häufig sehr generalisierend getan. Es werden von verschiedenen Medien Jahrgangstabellen publiziert, so z.B. von Robert Parker (online frei zugänglich) oder vom Wine Spectator (nur über die App kostenlos). In diesen Tabellen werden die Jahrgänge der wichtigsten Weinbaugebiete mit Noten bewertet. Des Weiteren berichtet die Fachpresse über die Güte von Jahrgängen und ernennt gar nicht selten so manchen spektakulär zu einem Jahrhundertjahrgang, was manchmal nach einiger Zeit nicht mehr haltbar ist. Natürlich werden auch Jahrgänge runtergeschrieben – um dann später meist eines Besseren belehrt zu werden.

Jahrgänge sind auch für Regionen nicht immer homogen zu bewerten. Als der James Bond Film Casino Royal gedreht wurde, verlangte man einen Château Angelus 1982 für eine Szene. Man wollte ausdrücklich diesen Jahrgang, gilt er doch als einer der großen des 20. Jahrhunderts. Doch ausgerechnet in diesem Jahr war der Angelus nur ein kleiner Wein. Ähnlich sieht es mit anderen Weinen aus, im großen Jahrgang 1989 war der Chateau Mouton nicht herausragender als im kleinen Jahr 1993 – hier war Mouton wiederum im Verhältnis richtig gut.

In vielen Regionen spielen die unterschiedlichen Jahrgänge eine große Rolle, besonders im Burgund, das aufgrund seiner Lage jedes Jahr von Spätfrösten und Herbstregen bedroht wird und mit Pinot Noir ausgerechnet eine hochempfindliche Rebsorte kultiviert. Hierzulande kann man, wenn man sich mit Wein beschäftigt, kaum den Jahrgangseinschätzungen entkommen. Mal werden Jahre frühzeitig hochgejubelt, wie z.B. 2011, oder runtergeschrieben wie 2003 oder 2010. Im Nachhinein haben sich diese generalisierenden Einschätzungen, die nichts anderes als eine verbalisierte Form von Punkte-Benotungen sind, meist als ungenügend herausgestellt.
Nirgends sind die Bewertungen der Qualität eines Jahrgangs von größerer Auswirkung als in Bordeaux. Dies hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass hier die Schwankungen in der Qualität am größten wären – nicht im Vergleich zum Burgund. In keiner Region dieser Welt hat die Einschätzung eines Jahrgangs mehr Auswirkung auf die zu erzielenden Preise im Topsegment. Die Preise für die Jahrgänge 2009 und 2010 explodierten, mit ihnen auch die Nachfrage. Mit den Jahrgängen 2011 und 2012 sanken sie wieder deutlich – jedoch liegen sie noch immer über den Preisen von 2008. Jahrgangseinschätzungen sorgen für Umsatz. Dass dabei nicht alle Weine groß sein müssen, ist gleichgültig. Ein Jahrhundertjahrgang ist nun einmal ein Jahrhundertjahrgang.

Die obigen Beispiele zeigten, dass es große Unterschiede auf kleinsten Raum gibt. Dies wird leider selten in den Betrachtungen vertieft. Heute las ich jedoch einen Gastbeitrag bei Wine-Times von John U. Salvi MW, der einem Anhand des Jahrgangs 2012 im Bordeaux einmal aufzeigt, wie komplex und interessant eine genaue und in die Tiefe gehende Jahrgangsanalyse sein kann.

Hier der Link zu diesem erhellenden Beitrag:

http://www.wine-times.com/artikel.php?idus=+&idrk=107&idde&iden=349&language=EN

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