Als neulich Rote Erde nach Dortmund kam

Am Wochenende kam Rote Erde zu Besuch aus Österreich. Er stammt aus Carnuntum, südöstlich von Wien. Ich bin zwar in Wien aufgewachsen, aber wir hatten uns dort nicht kennengelernt. Es war eher Zufall, dass wir uns trafen. Rote Erde wollte nach Dortmund, er war auf den Spuren seiner Vergangenheit, wollte die Stadt seiner Vorfahren kennenlernen. Er hatte herausgefunden, dass sie etwas mit

Fußball zu tun haben mussten – daher auch der Besuch zum Tage des Champions League Finales zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern.
Wir machten uns sofort auf den Weg, in Richtung Westfalenstadion. Auf dem Weg diskutierten wir noch über Rote Erdes Dortmunder Wurzeln, denn ich dachte, dass vielleicht Bier in der Familienvergangenheit eine Rolle gespielt haben könnte. Er verneinte dies vehement – Wein und Bier ist manchmal wie BVB und FCB. Es müsse der Fußball sein, beharrte er. Angeblich wären mütterlicherseits französische Winzer verwandtschaftlich verbunden, so behauptet es Rote Erdes Mutter Dorli. Diese hätten wohl den Weg zum Wein geebnet. „Lächerlich“, meinte Rote Erde dazu. Als ich später sah wie er Bier trank, fiel es mir auch schwer, Franzosen als Vorfahren zu sehen.

Rote Erde auf Rote Erde

Foto: P.Jakob

Direkt neben dem Westfalenstadion steht der Hinweis auf Rote Erdes Vorfahren: das alte Stadion von Borussia Dortmund die ehemalige Kampfbahn, das heutige Stadion ROTE ERDE.

Rote Erde wurde sentimental. Wir setzten uns in den zum Stadion gehörenden Biergarten und schwiegen einige Minuten. Rote Erde hatte einen Teil seiner Vergangenheit in sein Leben geholt. Er war glücklich. Nach einiger Zeit sinnierten wir über seine Vorfahren, lasen schnell den Wikipedia-Artikel zum Stadion Rote Erde und wussten dann leider noch immer nicht, was sein Vorfahr in Dortmund geleistet hatte – es muss wichtig gewesen sein, denn immerhin hatte man das Stadion nach ihm benannt. Wir tranken etwas Bier und grübelten. Jedenfalls muss es ein Sportler gewesen sein, dachten wir uns und entschieden, es sei nun Zeit den Tag einfach zu genießen.

Rote Erde_Walk of Fame

Foto: P.Jakob

Wir machten eine kleine Tour durch Dortmund. Rote Erde hatte leider kein Interesse an den Bauwerken und der bis in fränkische Zeit zurückreichenden Geschichte der ehemals bedeutenden Hansestadt, was an einem solch wichtigen Fußballtag nicht zu verübeln war. Also genossen wir das Ambiente und sahen uns den Walk of Fame des BVB an – ganz besonders den Stern zur CL-Sieg 1997. So viele Indizien sprachen für den Sieg – es war als würde sich 1997 wiederholen. Rote Erde war sich sicher, es kann nur einen Sieg für den BVB geben. Im Herzen war ich bei ihm, aber dann sagte ich, als Historiker sei ich ganz sicher, dass sich die Geschichte nicht wiederhole. Womit ich im Inneren meinte, dass natürlich Dortmund den Henkelpott hole, jedoch Stuttgart im DFB-Pokalfinale verlöre.

Rote Erde_Public Viewing

Foto: P. Jakob

Wir spazierten weiter Richtung Innenstadt, die völlig schwarz und gelb gefärbt war. Zehntausende waren unterwegs – der Friedensplatz bereits überfüllt, Hansamarkt und Alter Markt nicht mehr lange davon entfernt. Dazu kamen 19000 Besucher des Public Viewings in den Westfalenhallen. Rote Erde war tief beeindruckt. Noch nie habe er eine solche Stimmung, eine solche Verbundenheit einer Stadt mit ihrem Verein erlebt, sagte er. Und er sei stolz, dass er Vorfahren aus Dortmund habe.

rote erde_Devotionalien

Foto: P. Jakob

Nach dieser Tour wurden wir etwas pragmatisch. Da Regen angekündigt war, entschieden wir uns, das Spiel in einer Kneipe im Kreuzviertel anzusehen. Das Allegro bot sich an, da es meine Stammkneipe ist. Rote Erde deckte sich auf dem Weg noch etwas mit Devotionalien ein, um die Stimmung zu verstärken. Er sieht halt nicht so häufig den BVB.

rote Erde_Finale im Allegro

Foto: P. Jakob

Wir tranken dann einige Biere und warteten auf den Spielbeginn. Das Spiel begann – wir feierten und zitterten, wir waren euphorisch, wir waren besorgt. Wir tranken Bier. 1:0 FCB, rauchen, Bier. 1:1 Extase! Bier! Danach begann wieder das Zittern, das Hoffen, das Bangen. Aber dann fiel das 2:1 für die Bayern… Rote Erde fluchte, schimpfte, rief irgendetwas von Bergvölkern – es klang despektierlich. Ich wies ihn darauf hin, dass er doch Österreicher sei. Doch er ließ diesen Einwand nicht gelten – Carnuntum läge ja nun mal nicht in den Alpen. Ein gutes Argument. Wir diskutierten das Spiel, sahen den Bayern bei der Pokalübergabe zu. Das war zuviel für Rote Erde. Er brauchte Wein. Wir tranken Wein, er wollte am Ende so viel Wein, dass er sich opferte. Er brüllte: „Trink den Rest aus der Flasche! Verflucht sei die Etikette!“ Er bedrängte mich in Raserei, ich konnte nur nachgeben. Ich trank ihn aus der Flasche!

Rote Erde_Das Ende

Foto: P. Jakob

Ohh! Pflaume, etwas Kirsche, reife Beerenfrucht. Etwas milde Gewürze und leichte Kräuternoten. Holz, Röstaromen, Nelken und eine Spur Vanille. Weiche Gerbstoffe, voller Körper und eine feine, sehr harmonische Säure. Verdammt gut. Versöhnlich stimmend.
Diese Sinneseindrücke. Plötzlich verstand ich – Rote Erdes Mutter Dorli hatte Recht. Dortmund spielte vielleicht beim Namen eine familiäre Rolle. Er hätte sich aber lieber nach Frankreich begeben sollen – nach Bordeaux, wo seine Cousins und Cousinen leben: Merlot, Cabernet Franc, Malbec und die kleine Petit Verdot. Ach, Rote Erde wäre nicht so geendet. Aber er wollte es so.

Glücklicherweise hörte ich, dass er noch Geschwister hat. Die werde ich wohl mal nach Dortmund einladen…

Wie ich gerade hörte, leben einige Verwandte in Essen bei Vino Grande. Dort einfach unter Muhr – van der Niepoort Rote Erde 2011 nachfragen. Aber auch über den Rest Deutschlands haben sich einige Geschwister verteilt.

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2 Antworten zu Als neulich Rote Erde nach Dortmund kam

  1. Bernd Klingenbrunn schreibt:

    nun ja, die weiteren Verwandten haben wir vor langer Zeit in Düsseldorf in einer großen Halle probiert, neni proweint. Wir alle fühlten uns wie Brüder im Geiste. Frag mal den Kartenverkäufer von deinem Weinarbeitsplatz…;-)

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