Bandol – Heimat der Mourvèdre

Weinberge Bandol

Foto: P. Jakob

Fährt man mit dem Schiff von Marseille Richtung Osten an den Calanques entlang, erreicht man eine kleine Hafenstadt, die einer Weinbauregion ihren Namen verleiht: Bandol. Wahrscheinlich kennen sie mehr Rennsportfans als Weintrinker, liegt doch mitten in ihrem Herzen der Ort Le Castellet, wo eine legendäre, nach dem berühmten Pastis Produzenten Paul Ricard benannte Rennstrecke beheimatet ist. Die kongenialen Antipoden Nikki Lauda und James Hunt gewannen hier, und Ende der 80er Jahre siegte der französische Formel 1 Fahrer Alain Prost gleich dreimal in Folge.

Von dem malerischen, auf einem Hügel gelegenen Ort Le Castellet hat man einen guten Blick auf das Weinbaugebiet. Anders als in weiten Teilen der nicht ferne liegenden südlichen Rhône, ist die Landschaft von Hügeln geprägt. Rebstöcke finden sich hier nicht nur in der Ebene, auch die Berghänge dienen dem Weinbau. Und mitunter sieht man Lagen, die selbst ein Moselwinzer als Steillagen durchgehen lassen würde. Bandol zeichnet sich so durch eine ungewöhnlich hohe Terroirdiversität aus – besser ist die Vielzahl an Faktoren, die im Weinberg eine Rolle spielen kaum zu benennen. Es finden sich unterschiedliche Bodentypen, die Einfluss auf den Nährstoffgehalt der Reben wie auf den Wasserhaushalt haben. Die unterschiedliche Lagenexposition zur Sonne beeinflusst den Reifezyklus der Trauben. Generell finden sich sehr unterschiedliche Mikroklimata in den Weinbergen. Dies sind alles allgemeingültige Faktoren im Weinberg – im Bandol fällt nur die Vielfalt der Unterschiede deutlich ins Auge.

Wo eine solche Diversität herrscht, findet sich unweigerlich auch eine Vielzahl unterschiedlicher Rebsorten. Die Mourvèdre gilt als die Leitrebsorte des Bandols – die aus ihr gewonnen Rotweine begründeten seinen Ruf. Mindestens 18 Monate muss der Wein für die Appellation Bandol im Holz ausgebaut werden. Lange Zeit galten daher die Rotweine dieser Region als rustikale Weine, die sich erst nach einer kleinen Ewigkeit zur Trinkreife hin entwickeln. Diesen Stil findet man gelegentlich noch, beispielsweise bei der Domaine Le Galantin. Doch die meisten Weingüter haben sich einer moderneren Weinbereitung zugewandt. Grob lässt sich das Gebiet in zwei Kategorien festmachen: Weine mit eher bordelaisem Charakter und solche von mehr burgundischer Natur. Was nun nach typischen Phrasen klingt, lässt sich am besten an Hand von Weingläsern belegen und erleben:
Der rote Bandol mit eher bordelaisem Stil findet zu aromatischer Vollendung im klassischen Bordeauxglas. Er ist von dichter Struktur, mit kräftigem Tanningerüst und vom Ausbau in neueren Barriques geprägt. Château de Pibarnon oder Domaine de Terrebrune sind gute Beispiele für diesen Stil. Daneben gibt es aber auch Weingüter, die weniger kraftvolle, eher filigrane, aromatisch weniger vom Holz geprägte Weine erzeugen, die am besten im Burgunderglas aufblühen. Die berühmte Domaine Ott wäre ein Beispiel oder die Domaine Tempier. Letztere verkaufen daher auf ihrem Weingut ein Burgunderglas einer renommierten österreichischen Glashütte, um genau dies dem Kunden zu zeigen.
Ein perfektes Beispiel dafür, dass der Charakter der Rotweine des Bandols viel stärker vom Ausbaustil als von der Mourvèdre geprägt ist, erlebt man, wenn man den in der Amphore ausgebauten „En Sol“ der Domaine de la Tour du Bon probiert. Dieser reinsortige Mourvèdre zeigt, dass diese Rebsorte im Grunde zu den filigraneren Rebsorten gehört. Es ist ein kühler, filigraner Wein mit feiner Säurestruktur. Blind probiert, glaubt man weder, dass dieser Wein aus Mourvèdre ist, noch, dass er aus den westlichen Ausläufern der Provence stammt. Von seiner Frische und Eleganz ist scheint er im Geiste mit Pinot Noir verwandt.
Neben Mourvèdre, aus der die Rotweine zu mindestens 50% und höchstens 95% bestehen müssen, sind noch Grenache, Syrah, Cinsault und Carignan als rote Rebsorten zugelassen. Dies ergibt für die Winzer einigen Spielraum, um einen individuellen Stil zu entwickeln.

Weinberge Bandol / Domaine Tour du Bon

Foto: P. Jakob

Zu Recht genießen die Rotweine Bandols einen guten Ruf. In den letzten Jahren änderte sich die internationale Wahrnehmung der Weiß- und insbesondere der Roséweine. 2006 schrieb der britische Weinkritiker Hugh Johnson in seiner Autobiographie noch: „Im Anbaugebiet Bandol, das auf den besten Rotwein der Provence stolz sein kann, geraten die Rosés tiefgründiger und runder und sind fast schon ernsthafte Weine.“ Heute, wo Rosés nicht mehr als Zwitterwesen abgetan werden sondern hohes Ansehen genießen, ist Bandol neben Tavel ein Einbegriff für hochwertigen Rosé. Es finden sich einerseits typisch eher „provenzalische“ Stile, also Weine von eher zurückgenommener Frucht und feinwürzigem Charakter, wie z. B. bei der Domaine de la Tour du Bon. Andererseits gibt es auch saftige, fruchtbetonte Rosés, meist mit etwas intensiverer Farbe, z.B. bei Bunan oder Domaine du Gros’Noré. Stilistisch erinnern diese Weine etwas an die Rosés der südlichen Rhône.

Mittlerweile erhalten die Weißweine stärkere Aufmerksamkeit, auch wenn sie noch immer im Schatten der Rosé- und Rotweine stehen. Die Rebsortenvielfalt der Region lässt auch hier sehr viele Stile zu, so dass man keinen festen Weißweinstil in dieser Region definieren kann. Clairette Blanche ist zwar die Leitrebsorte, die mit mindestens 50% und maximal 95% in den Weißweincuvées verwendet werden muss. Als Verschnittpartner werden Ugni Blanc, Bourboulenc Marsanne, Sauvignon Blanc, Semillon und Rolle, die den meisten als Vermentino bekannt ist, verwendet. Somit reicht die Spannweite von frischen, fruchtbetonten über würzig, kräuterige bis hin zu eher milden, vollmundigen Weinen. Häufig zeigen die Weißweine ein sehr gutes Reifepotential.

Blick von Le Castellet

Foto: P. Jakob

Wer in der Provence Urlaub macht, sollte dieser Region einen Besuch abstatten. Zwangsläufig kommt man auf dem Weg von Marseille an die Côte d’Azure durch Bandol. Sollte man keinen längeren Aufenthalt einräumen können, lohnt es sich die Oenotheque de Bandol in Bandol oder das Maison des Vins de Bandol in Le Castellet aufsuchen, in denen man Weine sämtlicher Erzeuger der Region kaufen kann. Dann kann man sich entspannt im Urlaub die Vielfalt dieser Region ertrinken.

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Eine Antwort zu Bandol – Heimat der Mourvèdre

  1. einfachwein schreibt:

    Für mich, die ich leider in den letzten Jahren die Weine ein wenig vernachlässigt habe, ist das Bandol ein Ausdruck von Kraft und Langlebigkeit. Mit burgundischem Stil kann man sie kaum vergleichen. Ihr Ausdruck ist dunkel, Tanningeprägt, langlebig, üppig. Die Rosés sind in der Tat oft sehr trinkig. Tolle Weine, aber man braucht Geduld bei ihnen.

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