Panta rhei

falstaff_weinguide_cover

Foto: P. Jakob

Kurz vor dem Erscheinen des aktuellen Fallstaff Weinguides, bat Ulrich Sautter Verkoster des Weinguides um eine Anekdote, die ihnen von den Verkostungen nachdrücklich in Erinnerung geblieben ist. Er wollte dies in den Vorankündigungen nutzen. Da dies dann doch nicht umgesetzt wurde, nutze ich diese Gelegenheit, den Text wiederzugeben. Denn es war für mich ein besonderer Augenblick:

„Als ich Pfingsten diesen Jahres in Franken war, besuchte ich Benedikt Baltes. Wir fuhren in den Schlossberg, sahen uns seine Lagen an und auch die von Fürst. Während des Gangs durch die imposante Steillage erzählte mir Benedikt von einem Winzer, der bereits in den 80er Jahren begann sich intensiv um die Flora und Fauna in seinen Lagen zu kümmern. Er benutzte keine chemischen Mittel, beschäftigte sich mit Messungen des Wetters, um sich langfristig der klimatischen Bedingungen im Schlossberg gewahr zu werden. Die Geschichte war faszinierend. Doch stellte ich alsbald fest, dass ich leider den Namen dieses Winzers vergessen hatte.
Dann saß ich beim Falstaff und verkostete Weine. Es war Katjas Geburtstag und als Geburtstagsgeschenk wurde uns die Kollektion  von Benedikt Baltes gegönnt. Erwartungsgemäß eine großartige. Doch da standen noch Weine eines anderen Klingenberger Winzers. Ich kannte ihn nicht. Doch sah der Verkostungsverlauf es nicht vor, dass wir diese Weine auch noch verkosten würden. Als ich zum nächsten Termin nach Köln kam standen sie immer noch da. Es lag dazwischen nur ein Verkostungstag und es fand sich wohl keine Gelegenheit die Weine zu verkosten. Also nahm ich mir vor, dies zu tun. Es faszinierte mich, dass auf den Etiketten die selbe Klingenberger Ansicht war, die auch auf den Etiketten des Weinguts der Stadt Klingenberg – Benedikt Baltes waren. Wie ich anhand eines Weines sehen konnte, nutzte der Winzer diese Ansicht schon länger, doch in der Vergangenheit kaum wahrnehmbar im Kopf des Etiketts. Die Etiketten wurden wohl in den letzten Jahren modernisiert. Dabei sahen sie doch immer noch ziemlich od school aus Kein Vergleich zu den modernen und perfekt designten Etiketten der Baltes Weine. Ich war nun neugierig. Was würde mich erwarten? Ich verkostete die Weine mit Iris. Wir öffneten die erste Flasche, gossen ein und rochen am Glas. Die Neugier wurde belohnt. Es zeigte sich ein Wein, der uns sofort begeisterte. Zug, Frische, alles ziemlich stimmig. Kein Gigant, aber ein Wein der das Herz berührt. Der nächste Wein, das selbe Erlebnis, das selbe Gefühl. Es zog sich durch die Weine. Es wurde immer besser. Die Weine kommen nicht an die Qualität von Baltes oder Fürst heran – aber sie erreichen ebenfalls das Herz. Hier ist so vieles richtig, so vieles stimmig. Dann fragte Iris, ob es sich hier denn um einen jungen Winzer handele? Dann wäre das doch etwas für die Talente. Ich sah nach. Wie war nochmal der Name? Ja, Wolfgang Kühn. Ich ging auf die Website und dabei fiel es mir wieder ein. Das, was mir Benedikt erzählte. Ich verstand langsam. Danach brachte ich es mit den Ideen von Thierry Germain von der Domaine Roche Neuves in Verbindung, den erst kurz davor an der Loire besucht hatte. Er erzählte mir damals, wie die Wiederbelebung des Bodens, die Pflege der Flora und Fauna seinen Weinen Vitalität gegeben hätten. Wie er dadurch die phenolische Reife um fast zwei Wochen früher erreicht habe. Und wie dadurch die Weine im Alkohol gesunken wären. All dies fand ich ja in den Weinen von Wolfgang Kühn. Niedrige Alkoholwerte, Reife, Balance. Thierrys Worte wurden hierdurch an einem weiteren Beispiel exemplifiziert. Ich war begeistert. Ich bin begeistert. Die Weine Wolfgang Kühns müssten eigentlich viel bekannter sein. Großartige Qualität. Kleiner Preis. Eine schon lange währende Idee des nachhaltigen Weinbaus – ohne Nachhaltigkeit als Marketing zu verstehen. Einfach aus einer Verbundenheit mit seinem Weinberg heraus. Aus Verbundenheit mit der Natur. Ich muss für mich konstatieren – egal welchen Wein ich verkostet habe, mögen es noch so großartige Weine gewesen sein, denen ich 95 oder mehr Punkte gab, diese kleine Begebenheit hat mich mehr bewegt. Es war und ist für mich der flüssige Beweis, dass Wein nur dann zu seiner vollen Blüte kommt, wenn man seine natürliche Umgebung respektiert und pflegt. Benedikt sagte mir später einmal, dass Wolfgang Kühn wohl einen Nachfolger für seinen Kleinbetrieb suche. Da wurde ich doch etwas melancholisch, dass ich nicht viel früher von diesen Weinen erfahren hatte.“

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Eine Antwort zu Panta rhei

  1. Frank schreibt:

    Danke! Hatte gestern zum Mittagessen den Portugieser von Wolfgang Kühn aufgemacht und war von Frische, Gradlinigkeit und Fruchtigkeit angetan. Ich hatte unlängst ein Probierpaket bei diesem mir völlig unbekannten Winzer bestellt, weil er er mit dem Altrod einen roten Gemischten Satz macht – den wollte ich unbedingt kennenlernen. Schön, nun deinen Text hier zu lesen. Es gibt also immer noch Geheimtipps und irgendwas habe ich wohl richtig gemacht! 😉 Bin jedenfalls gespannt auf Wolfgang Kühns andere Weine.

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