Château Angélus in der Domstadt

Thierry Grenié-de Boüard von Château Angélus ermöglichte im „maiBeck FÜR DICH“ in Köln einer kleinen Anzahl von geladenen Fachbesuchern einen Blick auf mehrere Jahrgänge sowohl des Grand Vins des Familienweingutes als auch ihres Zweitweines.
Angélus bedarf eigentlich nicht vieler Worte, gehört es doch zur Spitze der Weingüter von Saint-Emilion. Schon lange war es als Premier Grand Cru Classé B klassifiziert, bei der Reklassifizierung von 2012 ist es in den Rang eines Premier Grand Cru Classé A aufgewertet worden. Es  steht nun mit dem im gleichen Jahr aufgewerteten Château Pavie auf einer Stufe mit den legendären Weingütern Château Ausone und Château Cheval Blanc. Interessant ist, dass die Klassifizierung in Saint-Emilion definierte Weingärten umfasst, ganz im Gegensatz zum Médoc, wo 1855 die Weingüter und nicht deren Lagen klassifiziert wurden. Für Angélus bedeutet dies, dass von den rund 42 Hektar, die das Weingut besitzt, nur rund 27 Hektar für den Grand Vin genutzt werden dürfen.

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Foto: P. Jakob

Der Rebsortenspiegel umfasst 60% Merlot, die dominierende Rebsorte des rechten Ufers, und 40% Cabernets, wobei die absolute Mehrheit mit Cabernet Franc bestockt ist und nur wenige Prozent Cabernet Sauvignon darstellen. Letztere soll in Zukunft übrigens durch Petit Verdot ersetzt werden, dies stellt eine Anpassung an den Klimawandel dar. Die Lagen des Grand Vin befinden sich rund um das Château, welches auf dem berühmten Plateau von Saint-Emilion liegt. Somit handelt es sich um Kalksteinböden mit einer Lehmauflage.
Die Familie de Boüard ist schon in der 8. Generation in der Region und ihr gehörte die Domaine de Mazerat. Nach dem Zweiten Weltkrieg benannte man das Weingut nach der 1924 erworbenen Parzelle Clos de l’Angélus in Château Angélus um. Seit rund vierzig Jahren wird versucht, auf den Einsatz von chemischen Mitteln im Weinberg zu verzichten. Letztes Jahr ging man konsequent in Richtung biologischem Weinbau, in drei Jahren erfolgt dann die Zertifizierung. Biologischer Weinbau stellt eine gewisse Schwierigkeit in der Region dar, da auf Grund des maritimen Klimas mit seinen starken Wetterschwankungen in schwierigen Jahren eine größere Häufung an Rebkrankheiten auftritt. Da laut EU Verordnung im 5-Jahres-Mittel nur 4 kg Kupfer pro Hektar pro Jahr eingesetzt werden dürfen, sorgen Jahre wie 2018, in dem es viel Peronospera (Falscher Mehltau) gab, den man im biologischen Weinbau ausschließlich mit Kupfer bekämpft, für große Probleme. Häufen sich solche Jahrgänge, wird es schwierig ohne massivste Verluste Weinbau zu betreiben. Jedoch zeigt der Jahrgang 2018 auch, dass mit konventionellem Weinbau die Situation nicht besser ist. Auf Clos de Boüard, einem weiteren Weingut der Familie, erlitt man einen Verlust von fast 85%, und dies, obwohl man hier nicht biologisch arbeitet.

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Foto: P. Jakob

Eine interessante Anmerkung kam auf die Frage nach dem Einsatz von Pferden. Diese nutzt man zum Teil auf Angélus, um eine Verdichtung der Böden durch den Einsatz von Traktoren zu vermeiden. Dies ist mittlerweile nicht so selten anzufinden. Interessant ist, dass man in Saint-Emilion die Pferde für diesen Einsatz mietet. Während viele Weingüter des linken Ufers ausreichend Ländereien besitzen, um auf diesen auch Pferde halten zu können, ist dies auf dem kleinteiligeren rechten Ufer nur schwer möglich. Da meist die klassifizierten Lagen rund um das Weingut liegen, sind Erweiterungen nur sehr schwer möglich, ohne Teile der Lagen zu roden. Was ökonomisch nicht sinnvoll ist.
Da wie bereits gesagt nur 27 Hektar in den Grand Vin einfließen, bleiben noch rund 16 Hektar weitere Lagen über. Diese sind über die Region von Saint-Emilion verteilt und spiegeln so dessen Vielfalt wider. Diese werden für den Carillon de l’Angélus genutzt, dem zweiten Wein des Weinguts. Er ist daher eher ein eigenständiger Wein, da er aus anderen Lagen als der Grand Vin stammt. Während Angélus ein Vin de Garde ist, ist der Carillon für einen früheren Konsum gedacht. Dies wurde in Verkostung deutlich. Der 2016 war noch etwas verschlossen, zeigte sich aber nicht sperrig. Die Qualität des Jahrgangs wurde deutlich, das Tannin ist reif, die Säure gibt Balance. Strukturell etwas kräftiger und voller. Der 2015 dagegen war jetzt schon präsent, was sicherlich dem warmen Jahrgang geschuldet ist. Das Tannin ist reif, die Säure mild, Frucht und Holz zeigen sich balanciert und machen den Wein schon jetzt zu einem hedonistischen Vergnügen. Auch der 2014 ist jetzt schon zu trinken, zeigt sich jedoch noch etwas prägnanter in der Säure. Dagegen ist er aromatisch eigentlich schon gut entwickelt. Hier spiegelt sich der Jahrgang wider, der einen klassischeren Bordeauxstil zur Folge hat. Ich persönlich bevorzuge diese Stilistik.

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Foto: P. Jakob

Dann folgte der 2014er Château Angélus, der sich noch viel zu jung und verschlossen zeigte. Diesen sollte man frühestens in zehn Jahren beginnen zu trinken. Dem Wein verlieh der jahrgangsbedingt höhere Cabernet Franc Anteil ein wunderbares Spannungsverhältnis, gab Frische und ergänzte das Aromenspiel um eine feine Jodigkeit, leichte Noten von Piment d’Espelette und roter Paprika. Der folgende 2011er zeigte sich in einem Stadium, das zu einer ersten Trinkreife hindeutet. Die Primäraromatik schwindet langsam, der Wein gewinnt an Komplexität. Hier zeigen sich etwas harte Tannine, die auch mit weiterer Flaschenreife nicht reif werden – denn unreif bleibt unreif. Jedoch steht dies dem Wein recht gut, gibt es ihm doch Markanz am Gaumen. Danach kam mit 2010 ein Wein, den Thierry Grenié-de Boüard zu Recht einen Blockbuster nennt. Hier findet man viel: Kraft, reifes Tannin, eine konturierende Säure, Druck – nicht zuletzt dank 15,5% Alkohol, der auch eine gewisse Süße verleiht. Dieser Wein sollte momentan besser noch nicht getrunken werden, denn vieles dessen, was dieser Wein hat, zeigt er nur im Ansatz. Mir persönlich wurde hier deutlich, wie schwierig ich diese Blockbuster zumindest in diesem Stadium eigentlich finde. Denn der präsentierte 2006er Angélus war für mich eigentlich zu diesem Zeitpunkt der schönste Wein. Noch ist Frucht da, die Tertiäraromatik spielt aber schon eine wichtige Rolle. Dank der feinen Säurestruktur und den leicht adstringierenden Gerbstoffen zeigt er sich mit Frische und Finesse. Ich finde solche Weine sehr elegant und klassisch. Jedoch sind dies Weine, die man nicht zu lange reifen lassen sollte. Ich denke, der Weine wird sich noch 10 Jahre in diesem Stadium befinden, dies sollte auch das Trinkfenster sein, es sei denn man liebt wie ich auch die Dominanz der reinen tertiären Aromatik.
Zuletzt gab es noch den Angélus 2000 zu probieren, ein Wein, für den dasselbe gilt. Interessant war es zu sehen, wie sich dieser Jahrgang nun präsentiert. Galt er, als der Jahrgang auf den Markt kam, doch als einer der ganz großen Jahrgänge. Hier spielte sicherlich das Millenium als emotionaler Faktor mit hinein. Heute sieht man, wie auch bei diesem Angélus, dass 2000 sicherlich nicht das hält, was dem Jahrgang damals zugeschrieben wurde. Ich teile die Ansicht von Thierry Grenié-de Boüard, dass sich der damals eher etwas runtergeschriebene Jahrgang 2001 heute im Vergleich mit 2000 als der bessere zeigt.

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