Als neulich Rote Erde nach Dortmund kam

Am Wochenende kam Rote Erde zu Besuch aus Österreich. Er stammt aus Carnuntum, südöstlich von Wien. Ich bin zwar in Wien aufgewachsen, aber wir hatten uns dort nicht kennengelernt. Es war eher Zufall, dass wir uns trafen. Rote Erde wollte nach Dortmund, er war auf den Spuren seiner Vergangenheit, wollte die Stadt seiner Vorfahren kennenlernen. Er hatte herausgefunden, dass sie etwas mit

Fußball zu tun haben mussten – daher auch der Besuch zum Tage des Champions League Finales zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern.
Wir machten uns sofort auf den Weg, in Richtung Westfalenstadion. Auf dem Weg diskutierten wir noch über Rote Erdes Dortmunder Wurzeln, denn ich dachte, dass vielleicht Bier in der Familienvergangenheit eine Rolle gespielt haben könnte. Er verneinte dies vehement – Wein und Bier ist manchmal wie BVB und FCB. Es müsse der Fußball sein, beharrte er. Angeblich wären mütterlicherseits französische Winzer verwandtschaftlich verbunden, so behauptet es Rote Erdes Mutter Dorli. Diese hätten wohl den Weg zum Wein geebnet. „Lächerlich“, meinte Rote Erde dazu. Als ich später sah wie er Bier trank, fiel es mir auch schwer, Franzosen als Vorfahren zu sehen.

Rote Erde auf Rote Erde

Foto: P.Jakob

Direkt neben dem Westfalenstadion steht der Hinweis auf Rote Erdes Vorfahren: das alte Stadion von Borussia Dortmund die ehemalige Kampfbahn, das heutige Stadion ROTE ERDE.

Rote Erde wurde sentimental. Wir setzten uns in den zum Stadion gehörenden Biergarten und schwiegen einige Minuten. Rote Erde hatte einen Teil seiner Vergangenheit in sein Leben geholt. Er war glücklich. Nach einiger Zeit sinnierten wir über seine Vorfahren, lasen schnell den Wikipedia-Artikel zum Stadion Rote Erde und wussten dann leider noch immer nicht, was sein Vorfahr in Dortmund geleistet hatte – es muss wichtig gewesen sein, denn immerhin hatte man das Stadion nach ihm benannt. Wir tranken etwas Bier und grübelten. Jedenfalls muss es ein Sportler gewesen sein, dachten wir uns und entschieden, es sei nun Zeit den Tag einfach zu genießen.

Rote Erde_Walk of Fame

Foto: P.Jakob

Wir machten eine kleine Tour durch Dortmund. Rote Erde hatte leider kein Interesse an den Bauwerken und der bis in fränkische Zeit zurückreichenden Geschichte der ehemals bedeutenden Hansestadt, was an einem solch wichtigen Fußballtag nicht zu verübeln war. Also genossen wir das Ambiente und sahen uns den Walk of Fame des BVB an – ganz besonders den Stern zur CL-Sieg 1997. So viele Indizien sprachen für den Sieg – es war als würde sich 1997 wiederholen. Rote Erde war sich sicher, es kann nur einen Sieg für den BVB geben. Im Herzen war ich bei ihm, aber dann sagte ich, als Historiker sei ich ganz sicher, dass sich die Geschichte nicht wiederhole. Womit ich im Inneren meinte, dass natürlich Dortmund den Henkelpott hole, jedoch Stuttgart im DFB-Pokalfinale verlöre.

Rote Erde_Public Viewing

Foto: P. Jakob

Wir spazierten weiter Richtung Innenstadt, die völlig schwarz und gelb gefärbt war. Zehntausende waren unterwegs – der Friedensplatz bereits überfüllt, Hansamarkt und Alter Markt nicht mehr lange davon entfernt. Dazu kamen 19000 Besucher des Public Viewings in den Westfalenhallen. Rote Erde war tief beeindruckt. Noch nie habe er eine solche Stimmung, eine solche Verbundenheit einer Stadt mit ihrem Verein erlebt, sagte er. Und er sei stolz, dass er Vorfahren aus Dortmund habe.

rote erde_Devotionalien

Foto: P. Jakob

Nach dieser Tour wurden wir etwas pragmatisch. Da Regen angekündigt war, entschieden wir uns, das Spiel in einer Kneipe im Kreuzviertel anzusehen. Das Allegro bot sich an, da es meine Stammkneipe ist. Rote Erde deckte sich auf dem Weg noch etwas mit Devotionalien ein, um die Stimmung zu verstärken. Er sieht halt nicht so häufig den BVB.

rote Erde_Finale im Allegro

Foto: P. Jakob

Wir tranken dann einige Biere und warteten auf den Spielbeginn. Das Spiel begann – wir feierten und zitterten, wir waren euphorisch, wir waren besorgt. Wir tranken Bier. 1:0 FCB, rauchen, Bier. 1:1 Extase! Bier! Danach begann wieder das Zittern, das Hoffen, das Bangen. Aber dann fiel das 2:1 für die Bayern… Rote Erde fluchte, schimpfte, rief irgendetwas von Bergvölkern – es klang despektierlich. Ich wies ihn darauf hin, dass er doch Österreicher sei. Doch er ließ diesen Einwand nicht gelten – Carnuntum läge ja nun mal nicht in den Alpen. Ein gutes Argument. Wir diskutierten das Spiel, sahen den Bayern bei der Pokalübergabe zu. Das war zuviel für Rote Erde. Er brauchte Wein. Wir tranken Wein, er wollte am Ende so viel Wein, dass er sich opferte. Er brüllte: „Trink den Rest aus der Flasche! Verflucht sei die Etikette!“ Er bedrängte mich in Raserei, ich konnte nur nachgeben. Ich trank ihn aus der Flasche!

Rote Erde_Das Ende

Foto: P. Jakob

Ohh! Pflaume, etwas Kirsche, reife Beerenfrucht. Etwas milde Gewürze und leichte Kräuternoten. Holz, Röstaromen, Nelken und eine Spur Vanille. Weiche Gerbstoffe, voller Körper und eine feine, sehr harmonische Säure. Verdammt gut. Versöhnlich stimmend.
Diese Sinneseindrücke. Plötzlich verstand ich – Rote Erdes Mutter Dorli hatte Recht. Dortmund spielte vielleicht beim Namen eine familiäre Rolle. Er hätte sich aber lieber nach Frankreich begeben sollen – nach Bordeaux, wo seine Cousins und Cousinen leben: Merlot, Cabernet Franc, Malbec und die kleine Petit Verdot. Ach, Rote Erde wäre nicht so geendet. Aber er wollte es so.

Glücklicherweise hörte ich, dass er noch Geschwister hat. Die werde ich wohl mal nach Dortmund einladen…

Wie ich gerade hörte, leben einige Verwandte in Essen bei Vino Grande. Dort einfach unter Muhr – van der Niepoort Rote Erde 2011 nachfragen. Aber auch über den Rest Deutschlands haben sich einige Geschwister verteilt.

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Die Komplexität von Weinjahrgängen

Bei einem natürlichen Produkt wie Wein, spielt der Jahrgang eine maßgebliche Rolle. Jeder Jahrgang präsentiert andere Weine. Daher wird auch immer wieder über sie berichtet. Leider wird dies häufig sehr generalisierend getan. Es werden von verschiedenen Medien Jahrgangstabellen publiziert, so z.B. von Robert Parker (online frei zugänglich) oder vom Wine Spectator (nur über die App kostenlos). In diesen Tabellen werden die Jahrgänge der wichtigsten Weinbaugebiete mit Noten bewertet. Des Weiteren berichtet die Fachpresse über die Güte von Jahrgängen und ernennt gar nicht selten so manchen spektakulär zu einem Jahrhundertjahrgang, was manchmal nach einiger Zeit nicht mehr haltbar ist. Natürlich werden auch Jahrgänge runtergeschrieben – um dann später meist eines Besseren belehrt zu werden.

Jahrgänge sind auch für Regionen nicht immer homogen zu bewerten. Als der James Bond Film Casino Royal gedreht wurde, verlangte man einen Château Angelus 1982 für eine Szene. Man wollte ausdrücklich diesen Jahrgang, gilt er doch als einer der großen des 20. Jahrhunderts. Doch ausgerechnet in diesem Jahr war der Angelus nur ein kleiner Wein. Ähnlich sieht es mit anderen Weinen aus, im großen Jahrgang 1989 war der Chateau Mouton nicht herausragender als im kleinen Jahr 1993 – hier war Mouton wiederum im Verhältnis richtig gut.

In vielen Regionen spielen die unterschiedlichen Jahrgänge eine große Rolle, besonders im Burgund, das aufgrund seiner Lage jedes Jahr von Spätfrösten und Herbstregen bedroht wird und mit Pinot Noir ausgerechnet eine hochempfindliche Rebsorte kultiviert. Hierzulande kann man, wenn man sich mit Wein beschäftigt, kaum den Jahrgangseinschätzungen entkommen. Mal werden Jahre frühzeitig hochgejubelt, wie z.B. 2011, oder runtergeschrieben wie 2003 oder 2010. Im Nachhinein haben sich diese generalisierenden Einschätzungen, die nichts anderes als eine verbalisierte Form von Punkte-Benotungen sind, meist als ungenügend herausgestellt.
Nirgends sind die Bewertungen der Qualität eines Jahrgangs von größerer Auswirkung als in Bordeaux. Dies hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass hier die Schwankungen in der Qualität am größten wären – nicht im Vergleich zum Burgund. In keiner Region dieser Welt hat die Einschätzung eines Jahrgangs mehr Auswirkung auf die zu erzielenden Preise im Topsegment. Die Preise für die Jahrgänge 2009 und 2010 explodierten, mit ihnen auch die Nachfrage. Mit den Jahrgängen 2011 und 2012 sanken sie wieder deutlich – jedoch liegen sie noch immer über den Preisen von 2008. Jahrgangseinschätzungen sorgen für Umsatz. Dass dabei nicht alle Weine groß sein müssen, ist gleichgültig. Ein Jahrhundertjahrgang ist nun einmal ein Jahrhundertjahrgang.

Die obigen Beispiele zeigten, dass es große Unterschiede auf kleinsten Raum gibt. Dies wird leider selten in den Betrachtungen vertieft. Heute las ich jedoch einen Gastbeitrag bei Wine-Times von John U. Salvi MW, der einem Anhand des Jahrgangs 2012 im Bordeaux einmal aufzeigt, wie komplex und interessant eine genaue und in die Tiefe gehende Jahrgangsanalyse sein kann.

Hier der Link zu diesem erhellenden Beitrag:

http://www.wine-times.com/artikel.php?idus=+&idrk=107&idde&iden=349&language=EN

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ProWein 2013 – diesmal ganz anders

Es war die größte ProWein bisher, dank zwei weiterer Messehallen kamen 4783 Aussteller aus 48 Nationen. Mit über 44000 Fachbesuchern stieg außerdem die Besucherzahl signifikant um etwa 10 % im Vergleich zum Vorjahr. Eine Messe dieser Größe stellt Herausforderungen an den Besucher, besonders was die Planung der drei (bei mir zwei) Messetage betrifft. Das Angebot ist so vielfältig, dass man nur einen Bruchteil dessen erledigen kann, was man möchte.
Die letzten Jahre besuchte ich Winzer, lernte mir noch eher unbekannte Regionen kennen. Dieses Mal habe ich einen anderen Blick auf die ProWein gewagt. Ich fragte mich, wie interessant ist es, die im Rahmen der ProWein angebotenen Seminare, Tastings und sonstigen Veranstaltungen zu besuchen. Vorweg genommen: es war die kurzweiligste und schnellste ProWein meines Lebens.

Vortag

Bereits am Samstag vor Messeeröffnung gab es vielfältige Veranstaltungen. Ich besuchte die von Sommelier Consult organisierten Veranstaltungen „La Renaissance des Appelations“ und „Haut les Vins / VinNatur“. Ganz im Zeichen der Biodynamik und des Bio Weins, bot sich ein interessanter Einblick in die Vielfalt der so erzeugten Weine. Und zudem ergab sich die Möglichkeit, einmal Nicolas Joly live über sein Verständnis des biodynamischen Weinbaus referieren zu hören.

Tag 1

Die eigentliche ProWein begann mit einer weiten Reise, die sich über den kompletten Sonntag hinziehen sollte. Der Weg vom Eingang Nord zu Halle 1 ist weit – und außerhalb der Hallen kalt.

Claudia Schug SchützFoto: P.Jakob

Claudia Schug Schütz
Foto: P.Jakob

Dort präsentierte Claudia Schug Schütz in einem kurzen Seminar die Chardonnay Vielfalt Kaliforniens. Vier Chardonnays aus vier Regionen zeigten die sehr unterschiedlichen Stilistiken, die in den unterschiedlichen Klimata Kaliforniens entstehen. Eines war ihnen gemeinsam – den fetten, überholzten Chardonnaystil, der noch heute von einigen Weintrinkern dieser Region zum Vorwurf gemacht wird, muss man mittlerweile suchen. Schlanker, eleganter, feiner Holzeinsatz von französischer Eiche. Die Weine sind trotz teilweise hoher Alkoholwerte dank einer entgegenstehenden Säurestruktur in sehr guter Balance.

Nun ging es von Halle 1 in Halle 6. Wieder eine weite Reise. Da man zwischendurch immer wieder bekannte Gesichter trifft, bleibt eigentlich kaum Zeit Weine zu verkosten. In Halle 6 angekommen und nach einer kurzen Mosel-Probe bei Matthias Knebel und den Jungs vom Klitzekleinen Ring ging es zum Falstaff-Stand. Hier präsentierte Master Sommelier Hendrik Thoma am Falstaff-Stand ausgewählte Weine der Türkei. Leider fiel die Mikrofonanlage aus, so dass aus dem Tasting ein gemütliches, sehr informatives Beisammensein  mit Wein wurde und Hendrik Thoma vom Moderator zu einem Speakers Corner Aktivisten wurde.

Hendrik ThomaFoto: P.Jakob

Hendrik Thoma
Foto: P.Jakob

Es erinnerte etwas an „Das Leben des Brian“.
Zunächst gab es Weine aus autochthonen Rebsorten. Die Weißweine waren ungewöhnlich, entweder leicht und fruchtig, dem mediterranen Klima angemessen oder im Holz ausgebaut und damit kräftiger und komplexer. Mir erscheint es, dass diese Weine es schwerer haben werden, die internationalen Märkte zu erobern. Anders die Rotweine: Besonders die Rebsorten Öküzgözü und Bogazkere bringen hoch interessante Weine hervor. Reinsortig oder im Verschnitt, auch mit französischen Rebsorten, sind sie eine absolute Bereicherung der Weinvielfalt. Daneben werden in der Türkei im großen Stil Blends im Stile des Bordeaux oder in Anlehnung an die Rhône erzeugt. Diese Weine sind nicht nur zum Teil herausragend, sie ermöglichen es auch, Konsumenten an das Weinland Türkei heranzuführen.

Hiernach stand die Rückreise zu Halle 1 an. „Napa Valley rocks“ bot einen Einblick nicht nur in die verschiedenen Weine und Weingüter dieses berühmtesten der kalifornischen Weinbaugebiete. Es war auch eine interessante und gut präsentierte Einführung in die geographischen und klimatischen Besonderheiten der Region. Eine Grafik verdeutlichte hervorragend, wie unterschiedlich die Bodenprofile Napas auf kleinsten Raum sind. Über 300 verschiedene Bodentypen existieren hier – ein deutliches Indiz, dass man in Napa noch stärker auf die Herkunft setzen sollte und weniger aus verschiedenen Vineyards die Weine verschneiden sollte.

Scotty Barbour (li.) und Volker EiseleFoto: P.Jakob

Scotty Barbour (li.) und Volker Eisele
Foto: P.Jakob

Ken „Scotty“ Barbour von Spring Mountain Vineyard führte in diese Thematik ein. Volker Eisele vom gleichnamigen Napa-Weingut vertiefte die Thematik und zeigte u.a. durch eine historische Perspektive die Besonderheiten des kalifornischen Weinbaus auf. Die zu verkostenden Weine zeigten deutlich, wie unterschiedlich die Stile Napas sind, eine Generalisierung ist unzulässig. Deutlich wurde jedoch, dass Weine, die von einem „Terroir“-Gedanken geprägt sind, die interessantesten sind. Die anderen unterliegen stärker einer „gemachten“ Stilistik – sie repräsentieren  stark Stile, die momentan auf den internationalen Märkten gefragt sind.
Da die nächste Veranstaltung ebenfalls in Halle 1 stattfand, ergab sich glücklicherweise etwas Zeit, noch einige Weine Kaliforniens zu verkosten. Auch hier bestätigte sich mein gerade formulierter Eindruck.

Caro Mauer MW und Jean-Michel Valette MW Foto: P.Jakob

Caro Mauer MW und Jean-Michel Valette MW
Foto: P.Jakob

Dann folgte schon die letzte Veranstaltung des Tages, sie endete mit der Durchsage, dass die ProWein für diesen Tag schließt. The Institute of Masters of Wine führte wie schon im letzten Jahr eine Master Class auf der ProWein durch. Warum das ganze unter dem Topic „Flavours“ fungierte, wurde mir nicht ganz klar. Nach einführenden Worten durch den amtierenden Chairman Jean-Michel Valette MW führten er und Caro Maurer MW ein kurzes Tasting mit den anwesenden Interessierten durch. Letztendlich ging es darum im ersten Flight drei Weißweine zu verkosten und begründet Rebsorte und Herkunftsland zu bestimmen. Ich erkannte alle Rebsorten und auch ganz gut die Länder, jedoch stellte der dramatische Eigengeruch der Gläser eine zusätzliche große Hürde da. Im zweiten Durchgang ging es darum, die drei Rotweine, die alle einer zu erkennenden Rebsorte angehörten, erneut den Herkunftsländern zuzuordnen. Pinot Noir war noch einfach. Einen Pinot in Deutschland und einen im Burgund zu verorten ging auch noch. Aber dass der dritte aus Uruguay kam, hätte ich niemals gedacht.

Tag 2

Foto: P.Jakob

Foto: P.Jakob

Da am Abend noch eine Veranstaltung in den VIP-Logen der Esprit-Arena stattfand, die die Nacht doch deutlich verkürzte, begann der zweite Tag pünktlich verspätet mit der Präsentation des Bordeaux-Jahrgangs 2010 der Union des Grands Crus de Bordeaux, organisiert von der Sopexa. Bei dieser Leistungsschau muss man nicht viele Worte verlieren und bei einem solchen Jahrgang ebenfalls nicht. Sehr gut waren alle Weine, herausragend viele. Vielleicht am deutlichsten blieben mir die Weißweine der Châteaus Pape Clément, Larrivet Haut-Brion, Malartic-Lagravière und Carbonnieux im Gedächtnis. Bei den Rotweinen, die bekanntlich die absolute Überzahl der Weine darstellen, möchte ich nur eine kleine Auswahl nennen, die Liste würde sonst eindeutig zu lang: für mich am eindrücklichsten waren die Châteaus Pape Clément, Smith Haut Laffite, Canon la Gaffelière, Figeac, Troplong Mondot, Léoville Poyferré, Léoville Barton, Pichon-Longueville Comtesse de Lalande, Gruaud Larose, Rauzan-Ségla und Lynch-Bages. Die Sauternes Favoriten waren nach Château Coutet, die Weine von Suduiraut und Guiraud.
Die Schwierigkeit bei dieser Präsentation ist, dass die vorgestellten Weine in einem reiferen und trinkbareren Zustand gezeigt werden, als sie es zu diesem Zeitpunkt normal sind. Kauft man sich eine Flasche dieser Weine am gleichen Tag und öffnet diese, wird der Wein sich selbst nach 12 Stunden im Dekanter nicht so präsentieren. Man darf diese Präsentation nicht als Darstellung des Ist-Zustandes verstehen, sondern als ein Versprechen an die Zukunft.

Axel BieslerFoto: P.Jakob

Axel Biesler
Foto: P.Jakob

Nach mehreren Stunden verließ ich schweren Herzens und mit müden Beinen die Bordeaux-Präsentation, um in Süd-West-Frankreich Erholung zu suchen. Hier gab es die Möglichkeit nicht nur Weine blind zu verkosten, sondern dabei etwas legales Glücksspiel zu betreiben und die Sensorik nach eineinhalb Messetagen zu fordern. Sommelier Axel Biesler lud über alle ProWein Tage hinweg zum Casino Vinophil. Eine grandiose Spielidee! Jeder Spieler bekommt eine feste Anzahl an Jetons und zu jeder Runde ein Glas Wein blind serviert. Zunächst geht es darum, den Wein einem Anbaugebiet zuzuordnen. Danach gilt es eine Schätzfrage zu meistern – zum Beispiel nach der Höhe des Alkohols oder des Restzuckers der Weines, zuletzt gilt es den Jahrgang zu erkennen. Ein wunderbares Spiel: Wein macht nicht nur getrunken Spaß!

Leider vergeht beim Casino Vinophil die Zeit wie im Flug, so dass ich meine nächste Veranstaltung verpasste – zumindest den ersten Teil. Hier traf es sich gut, zur Zeitüberbrückung wie zwischen jeder Veranstalung wieder bekannte Gesichter getroffen zu haben. Und nebenbei habe ich noch bei Thomas Herter vom Château Segonzac einen restsüßen Bordeaux aus Cabernet Sauvignon kennengelernt. Den muss ich mir besorgen.

Markus del Monego MWFoto: P.Jakob

Markus del Monego MW
Foto: P.Jakob

Dann fing der zweite Teil meines Terminplans an. Master of Wine und Sommlierweltmeister Markus del Monego präsentierte 20 Jahrgänge Bordeaux. Zum Glück hatte ich die jüngsten Jahrgänge verpasst, denn jetzt kamen die reifen Weine. Und gereift ist Bordeaux ein Traum. Die Präsentation bei der L’Ecole du Vin de Bordeaux war hoch interessant – besonders nach den jungen Weinen aus Bordeaux am Vormittag. Markus del Monego präsentierte kurzweilig und informativ über die Weine und die Jahrgangsspezifika. Zu verkosten gab es Château Canon 2002, Château Carbonnieux 2001, Château Cambon la Pelouse 2000, Château de Fieuzal 1999, Château Grand Corbin Despagne 1998, Château Le Bon Pasteur 1997, Château d’Armailhac 1996, Château Haut-Marbuzet 1995, Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande 1994 und Château La Croix du Casse 1993. Der Grund für die 20 Jahrgänge umfassende Verkostung ist der 20. Geburtstag der Prowein im nächsten Jahr – ich freue mich schon auf den 30.

Nach einigen kurzen Abstechern, etlichen Gesprächen und langen Garderobenschlangen war dies das Ende der meiner diesjährigen ProWein. Leider habe ich viele Winzer, Freunde und Bekannte nicht gesehen, auch hätte ich gerne einige neue Weingüter entdeckt. Aber dann hätte ich nicht so viele interessante Veranstaltungen besuchen können – und die Zeit verging wie im Fluge.

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Monteverro – mit Konzept zum Erfolg

2008 kam der erste Jahrgang von Monteverro auf den Markt und er erregte Aufsehen. Das Weingut , bei Capalbio in der Maremma gelegen, hatte von Anfang an die Zielsetzung, einen Spitzen Grand Cru zu erzeugen.
Zu den Anfängen: Nach längerer Suche wurde der deutsche Unternehmer Georg Weber, der aus seiner Leidenschaft für die Grand Cru des Bordeaux heraus selber solche Weine schaffen wollte, nach einem Tipp in der Maremma fündig. Genaue Bodenanalysen versprachen beste Voraussetzungen. Ziel war es, eine Bordeaux Cuvée zu erzeugen, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot wurden gepflanzt – wobei Monteverro auch einen Rhône-Blend aus Syrah und Grenache erzeugt, sowie einen Chardonnay, der klassisch im Holz ausgebaut wird. Für das Weingut wurde alles auf Perfektion getrimmt. Die Abstände der Rebstöcke wurden mit Laser vermessen, die Rebzeilen in Süd und Süd-West Ausrichtung gepflanzt, um die beste Sonnenexposition zu gewährleisten Die selbe Perfektion gilt für den Keller – es gibt einen Kühltunnel für das einkommende Lesegut, eine Fußbodenheizung im Fasskeller, um beste Bedingungen für den BSA zu haben und sämtliche Vorgänge werden, um das Lesegut zu schonen, ohne Pumpen durch geführt. Alles ist auf die Ausnutzung der Gravitation ausgelegt. All dies schafft eine perfekte Umgebung, um großen Wein zu erzeugen. Ziel der Technk ist, den Wein selbst so wenig wie möglich zu beeinflussen.
Webers Projekt überzeugte sogar Michel Rolland, der von Anfang an als Berater für Monteverro tätig ist. Obwohl Rolland sehr wählerisch bei seiner Beratertätigkeit ist, hatte ihn Georg Webers Idee von Anfang an überzeugt. Natürlich ist mit der Wahl Rollands auch klar, was für eine Weinstilistik erwartet werden kann.

Foto des beschriebenen Weines

Foto: P.Jakob

Der Terra di Monteverro 2009 präsentiert sich in einem unglaublich tiefen Purpur, der Kern ist schwarz. In der Nase opulent mit einer hohen Intensität. Aromen von Cassis, dunklen Beeren, schwarze Kirsche, Pflaume, Kräuter wie Thymian und Lavendel, vom zwanzigmonatigen Ausbau in französischen Barrique kommt eine feine Vanillenote, Nelke, Toffee, röstige Noten, dunkle Schokolade und Kaffee. Am Gaumen findet sich dieses Aromenspiel wieder. Ein voller Körper, zunächst noch zupackende, mit je mehr Luft immer weicher werdende Tannine, eine feine Säure, die jedoch etwas zu gering ist, um der Fülle des Weines einen Konterpunkt zu setzen. Er wirkt daher etwas zu voll, fast etwas erschlagend. Der Barriqueausbau ist elegant, das Holz gut integriert. Ein großartiger Wein.

Mein einziger Kritikpunkt ist, und man kann es diesem Wein nicht einmal vorwerfen: der Terra di Monteverro ist ein Wein, den man keiner Region zuordnen kann, er spiegelt keine Herkunft wieder. Aber dies ist auch nicht gewollt, dieser Wein könnte so ähnlich auch im Napa Valley oder im Bordeaux erzeugt werden… Es ist eine hervorragend gemachte Bordeauxcuvée, wie man sie in seiner Klasse im Bordeaux nicht häufig bekommt – denn dies ist nur der Zweitwein von Monteverro und kostet ca. 30€. Solche Zweitweine zu einem solchen Preis muss man lange suchen.

 

 

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Nährstoffe und Mineralität

Nährstoffe im Boden haben keinen Einfluss auf die wahrgenommene Mineralität von Wein. Dies ergaben Untersuchungen von Professor Alex Maltman vom Institute of Geography and Earth Sciences der Universität Wales. Mehr dazu hier:

the drinks business

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LBV – die Vintage Port Alternative

Vintage Ports sind die Spitze der Portweinpyramide. Sie werden – meist – nur in absoluten Topjahrgängen erzeugt und sollten viele Jahre auf der Flasche reifen, um einen optimalen Trinkgenuss zu haben. Was aber tun, wenn man Lust auf Jahrgangsport hat, aber seinen Vintage noch nicht öffnen will? Late Bottled Vintage (LBV) Portweine sind die Alternative. Im Gegensatz zu den nur rund zwei Jahre im Fass gereiften Vintage Ports, reifen sie vier bis sechs Jahre im Holzfass. Dank dieser längeren Reifezeit sind LBV Ports bei Abfüllung im Prinzip trinkfertig. Sie stammen aus sehr guten Jahrgängen. Kleinere Erzeuger entscheiden sich je nach Jahrgang ob sie LBV oder Vintage erzeugen, andere erzeugen beide Stile und nutzen die besten Trauben für ihren Vintage. Sowohl Jahrgang als auch das Jahr der Flaschenfüllung sind auf dem Etikett vermerkt.
Es gibt zwei Varianten von LBV. Zum einen ein LBV, der nach der Fassreife filtriert auf die Flasche gefüllt wird. Dadurch hat er kein Depot. Er profitiert nicht von weiterer Flaschenreife. Zum anderen einen LBV, der unfiltriert gefüllt wird. Er ist auch trinkreif, kann aber weiter auf der Flasche reifen. Auf alten Flaschen findet man häufig die Bezeichnung „traditional“. Seit 2002 ist dies nicht rechtlich nicht mehr zulässig, nun erkennt man sie an dem Hinweis „unfiltered“. Reifen unfiltrierte LBV Ports noch mindestens drei Jahre auf der Flasche, bevor sie auf den Markt kommen, dann können sie als „bottle matured“ oder „Envelhecido em garrafa“ deklariert werden.

Wann der erste LBV erzeugt wurde, ist schwer zu sagen. Vielen Erzeugern wird die Erfindung dieses Stils zugeschrieben. Roy Hersh hat diese komplizierte Geschichte gut im Sommelier Journal aufgefächert.

Bild des beschriebenen LBV von Passadouro 2007

Foto: P.Jakob

Die Quinta do Passadouro liegt bei Pinhão im Cima Corgo, der besten Region des Douro Tals. Für die Weine ist Jorge Serôdio Borges zuständig, einst Dirk Niepoorts rechte Hand. Der Passadouro LBV stammt aus dem Jahr 2005 und wurde 2009 unfiltriert auf die Flasche gefüllt. Im Glas präsentiert er sich purpurfarben mit schwarzem Kern. Vorsicht, da er unfiltriert ist, findet sich eventuell Depot im Glas.
In der Nase sehr konzentriert, Aromen von dunkler Kirsche, Pflaume, gekochter Beerenfrucht, Rumtopffrüchten, etwas Dörrobst und nussige Noten.
Am Gaumen ist er süß, mit einer frischen, gut integrierten Säure. Dadurch wirkt er nicht von der Süße dominiert, der LBV ist gut balanciert. Der Alkohol (20%) ist wärmend spürbar, aber nicht im Geringsten brandig. Voller Körper und bereits weiche, reife Tannine. Auch hier wieder Aromen von dunkler Kirsche, Pflaume, Rumtopf und nussigen Noten. Gute Länge.

Der Passadouro LBV 2005 ist ein gutes Beispiel für eine Vintage Port Alternative. Er zeigt die opulente Fruchtstruktur, Tiefe und Kraft eines Vintages, hat aber bereits eine weiche, reife Tanninstruktur. Dadurch ist er hervorragend zum sofortigen Genuss geeignet. Sicherlich entwickelt sich der LBV noch auf der Flasche, eine größere Komplexität wird er dadurch aber nur bedingt erreichen – er ist halt doch kein reiner Vintage. Dafür aber auch deutlich günstiger.

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Saint-Véran – Das unbekanntere Burgund

Wenn der Name Burgund ins Gespräch kommt, dann denken viele an hohe Preise. Die Vielfalt Burgunds ist den meisten Menschen nicht bewusst. Neben den berühmten Lagen der Côte de Nuits und Côte de Beaune  gibt es viele Gebiete und Weine, die sehr gute Qualität bieten und noch bezahlbar sind.
Im Süden des Burgund befindet sich das Maconnais. Die Weißweine dieser Region sind häufig nicht uninteressant, besonders dann, wenn es sich nicht um einen AOC Mâcon handelt, sondern es sich um eine der kleineren AOCs dreht. Neben dem berühmteren Puilly Fuissé existieren noch andere, z.B. Saint-Véran.
Die 1971 gegründete Appelation ist nur für Weißweine der Rebsorte Chardonnay gültig. Sie liegt genaugenommen zwischen dem Mâconnais und dem Beaujolais, ein Gebiet, dessen Weine früher als Beaujolais Blanc klassifiziert waren. Das Klima der Region ist nicht so kühl kontinental wie das der nördlichen Appelationen des Burgunds. Die Sommer sind wärmer, die Winter milder, es gibt deutlich weniger Frost und Regen. Dies spiegelt sich auch in der Stilistik der Weine wieder.
Die Böden variieren von Kalkstein in den mehr nördlichen Gebieten hin zu den  im Süden vorherrschenden mit Kalkstein versetzten, eher roten sandigen Böden, wie sie auch im Beaujolais anzutreffen sind.
Typisch für die Weine dieser südlichen Region des Burgunds ist, dass sie weniger Säure und eine reifere Frucht mitbringen, als es für Vertreter der nördlichen Regionen des Burgunds üblich ist. Es fehlt ihnen im Vergleich häufig auch an Komplexität. Es lohnt sich daher, Weine aus dem Mâconnais auf der Agenda zu haben. 

Bild des besprochenen Saint-Véran

Foto: P.Jakob

Der Saint-Véran „La Grande Bruyère“ 2007 der Domaine de la Croix Senaillet zeigt sich mit einem hellen Strohgelb im Glas. Eine erste Reife ist ersichtlich.
In der Nase Noten von reifer Birne, etwas Gelbfrucht, gekochte Ananas, etwas Grapefruit. Leichte Reifenoten, nussig, mandelige Aromen, dazu leichte Kräuteraromen und etwas Holz. Es wird deutlich, dass dieser Wein bereits ein gewisses Reifestadium erreicht hat. Dies ist nicht negativ, im Gegenteil. Er erhält dadurch eine höhere Komplexität.
Am Gaumen zeigt er sich nur dezent gereift. Gelbfrucht, Birne und Mandelnoten, auch etwas Kräuterwürze. Die Säure ist noch immer frisch – typisch für den Jahrgang – und gut eingebunden. Der Wein ist gut balanciert, die Säure, Cremigkeit und der für diese Klimaregion typisch etwas voller Körper ergeben ein sehr harmonisches Gesamtbild. Ein Wein, den man auf der Agenda haben sollte. Er ist ein durchaus komplexer Weißwein des Burgunds, der zeigt, dass auch wirklich gute Weine im Burgund erzeugt werden, die nicht ein Vermögen kosten.

Erhältlich u.a. bei Stute Wein & Sekt für 15,50 €

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