Clos des Papes – Altmeister des Châteauneuf-du-Pape

Neulich hatte ich das große Vergnügen an einer großen Clos des Papes Verkostung teilnehmen zu können. Dieses legendäre Weingut aus Châteauneuf-du-Pape ist im Besitz der Familie Avril, die auf eine Tradition in der Region bis ins frühe 18. Jahrhundert zurückblicken kann. Somit hat sie als Familie die Geschichte dieser Region mitgeschrieben  – der erste Paul Avril (heute leitet mit Paul Vincent Avril der dritte Paul in Folge die Geschicke des Gutes) füllte seine Weine bereits 1896 unter dem Namen Clos des Papes. Zu dieser Zeit war es normal, die Weine an Handelshäuser zu verkaufen. Auch war er nicht unmaßgeblich an der Schaffung der Appellation Châteauneuf-du-Pape beteiligt, der ersten AOC Frankreichs. Vielleicht ist es diese tiefe Verwurzelung mit dem Anbaugebiet, die bei Clos des Papes dafür gesorgt hat, dass man bis heute einige moderne Entwicklungen lieber meidet. Neben dem kleinen Vin de France, dem Le Petit Vin d’Avril, werden genau zwei Châteauneuf-du-Pape erzeugt, ein roter und seit 1955 ein weißer. Entgegen des Trends gibt es keine Abstufungen, keinen Einstiegs-, keine Lagen- oder Luxuschâteauneufs. Genau zwei AOC Weine.20190127_133251

Auch in der Produktion ist man eher traditionell, wenn man die Traditionen weiter in der Zeit zurückdenkt. Ansonsten könnte man es auch als Modernität denken, eine Modernität mit Bezug zu historisch Bewährtem. Im Weinberg wird Wert auf geringe Erträge gelegt, bei den jungen Anlagen um die 28 hl/ha, bei den alten Anlagen nur rund 21 hl/ha. Die Trauben werden stets entrappt (was dann doch recht modern ist). Nach einigen Versuchen mit Schönung und Filtration hat sich die Familie Avril mit dem Jahrgang 1988 entschieden, auf Filtration komplett zu verzichten und nur bei Jahrgängen mit recht harter Tanninstruktur, die Weine zu schönen. Seit 2010 ist das Weingut bio-zertifiziert und arbeitet mittlerweile biodynamisch.

Die Lagen des Weinguts in 24 Parzellen verteilen sich über die gesamte Region, von flussnahen Weinbergen bis hin zum Plateau von La Crau. So finden sich sandige oder kiesige Böden wie auch steinige und Kalksteinböden. Aus dieser Vielzahl an Formationen, die insgesamt rund 35 Hektar umfassen, stammen die Trauben für die Weine. 4 Hektar davon dienen dem Weißwein.
Für die Rotweine wird hauptsächlich Grenache genutzt, dazu kommt ein recht hoher Anteil an Mourvèdre und Syrah. Ergänzt mit einem sehr kleinen Anteil von Muscardin, Counnoise und Vaccarèse. Die Weißweine bestehen zu gleichen Teilen aus Grenache Blanc, Roussanne, Clairette, Bourboulenc und Picpoul. Bei allen Weinen werden die Trauben zusammenvergoren, das heißt, dass es sich nicht um Cuvées handelt. Hierdurch will man einen höheren aromatischen Komplexitätsgrad erreichen. Dies geschieht temperaturgesteuert im Stahl. Danach werden die Weine noch 15 Monate in großen Holzfässern ausgebaut. Dem Trend zu neuem Holz hat man sich immer verweigert.

Doch nun noch ein paar Worte zu der Verkostung. Ich werde nicht groß auf die Weine im Einzelnen eingehen, da sich einige Flaschen nicht im perfekten Zustand präsentierten. Es wäre in einem solchen Falle unfair, ein Urteil zu fällen, dass sich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht aufrechterhalten lässt. Auffällig war, dass man Entwicklungen bei Clos des Papes gut aus den einzelnen Flights ablesen konnte. Und das war das wirklich Faszinierende: Ein Blick in die Geschichte eines Weinguts zu werfen. 20190131_165901

Zum Auftakt gab es den Châteauneuf-du Pape blanc aus den Jahrgängen 2003, 2004 und 2006. Hier zeigte sich klar die Jahrgangscharakteristik, was bei einem immer gleichen Rebsortenspiegel völlig logisch ist. 2003 eher etwas fülliger, aber nicht fett, mit feiner Phenolik. 2004 mit etwas mehr Säure. Der 2006er schien dagegen ein Flaschenproblem gehabt zu haben und zeigte sich schon recht entwickelt. Ein später noch zwischengeschobener 1977er blanc, dem drei Tage vorher der Korken in die Flasche gefallen war, zeigte sich zwar mit einem klar oxidativen Ton im Duft, aber mit viel Markanz am Gaumen.
Der zweite Flight – ab jetzt in rot – aus 1975 und 1976 zeigte, dass in der Vergangenheit die Weine der Region weniger opulent und kraftvoll waren und sich eher durch Eleganz hervortaten. Beim 76er konnte man dies leider nur noch von der Struktur ableiten, der 75er dagegen zeigte sich mit einer Feinheit und einem Schliff, den man vielleicht eher mit einem Pinot Noir in Verbindung gebracht hätte (oder liegt es daran, dass in der Vergangenheit gerne Rhône Weine im Burgund verschnitten wurden, um mehr Struktur zu bekommen?). Der Flight aus den 80er Jahren (1983, 1985 und 1988) zeigte dann etwas mehr fruchtbetonte Weine. In diesem Flight stach der 88er hervor, der im Gegensatz zu den beiden anderen Weinen nicht geschönt und filtriert war. Man merkte dies deutlich, sowohl im Entwicklungsstadium als auch in der Struktur. Die 90er Jahre und die frühen 2000er zeigten eine Tendenz zu mehr Konzentration auf (1994,1995,1998, 2000, 2001, 2003, 2005, 2006, 2008). Während der 2000er sich von den anderen Weinen abhob, zeigte sich besonders der 2003 als schon sehr weit entwickelt. Aber generell erschien es uns, dass die Weine dieser Ära sich weniger positiv entwickeln werden, die Weine der 90er Jahre sicherlich besser als die der frühen 2000er. Leider fehlte der hochgerühmte 2007er – er hätte vielleicht den Eindruck etwas verändern, oder erst recht bestätigen können. Der 2008er, aus einem eher schwierigeren Jahr, zeigte dann eine Finesse, die eher an die 70er Jahre erinnerte. Dieser Eindruck blieb auch bei den beiden letzten Weinen aus den Jahren 2013 und 2014. Beide zeigten sich eher von einer eleganteren Seite. Wobei man auch hier konstatieren muss, dass es sich um witterungsbedingt kompliziertere Jahrgänge handelte, 2014 war sicherlich der schwierigste Jahrgang seit 2008, und ein Gegenpart aus 2015 oder 2016 fehlte. Diese hätten dann das Gesamtbild vervollständigt. Dies wird aber von mir dann zu einem anderen Zeitpunkt nachgearbeitet.

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