Avantgarde

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Foto: P. Jakob

In der Weinbranche zu arbeiten, bedeutet – wenn man es denn ernst meint – nach Gerhard Schröders Maxim des „lebenslangen Lernens“ zu leben. Man muss sich kontinuierlich sowohl mit den Weinen dieser Welt beschäftigen und auch mit den theoretischen Grundlagen. Nur wer versteht, wie Weine erzeugt werden können, kann letztendlich auch das beurteilen, was im Glas vorzufinden ist. Schon als ich mich entschied, den Schritt weg von der Geschichtswissenschaft hin zur Weinwelt zu gehen und den Weinakademiker (das Diploma in Wines and Spirits) zu absolvieren, fiel mir auf, wie schwierig es eigentlich ist, sich einen guten Überblick über die Weine der Welt zu verschaffen. Es ist ein hoher Aufwand notwendig,  finanziell und logistisch,  um sich die Länder und Regionen dieser Welt sensorisch zu erschließen. Und hierbei ist man oft finanziell zu limitiert, um auch die Spitzen der Weinwelt zu erklimmen. Hin und wieder begegnet man dann den Leuchttürmen dieser Weinwelt, aber nur selten findet man sie geballt an einem Ort. Meist sind das Weinproben, die von Sammlern organisiert sind, die dann den angemessenen Preis kosten –  wer verschenkt schon die edelsten Gewächse? Es ist also für die meisten in dieser Branche eher ungewöhnlich, an solch einer Runde zu partizipieren. Bleiben die Weinveranstaltungen – und hier gibt es zwei Typen: die Präsentationen und die Messen. Letztere sind kein wirklich geeigneter Ort, um sich Themen zu erschließen. Messen sind Verkaufsveranstaltungen. Messen sind voll. Man steht lange an einzelnen Ständen, um einen Schluck Wein ins Glas zu bekommen. Sie sind gut um sich einen Überblick zu verschaffen – eine gewisse Tiefe ist aber hier unerreichbar. Die Präsentation hingegen (seien es Verbände oder Regionen die sich hier dem Publikum stellen) ermöglichen es besser, sich einem Thema mit einer gewissen Tiefe zu nähern. Man lernt verschiedene Stile kennen oder versteht wie Regionen sich in ihrer Binnenstruktur unterscheiden. Aber sie sind nun mal thematisch festgelegt.

Die bisher einzige Veranstaltung, die diesen Rahmen sprengte und eine internationale Breite und Tiefe an Weinen in Deutschland dem Publikum näherbrachte ist die Véritable in der Pfalz. Hier zeigen Uwe Warnecke und Co. im Weingut Aloisiushof, was eigentlich möglich ist. Schnell sprach es sich herum, dass dies die beste Weinveranstaltung der Republik ist. Mit der Konsequenz, dass es leider auch hier in den letzten Jahren sehr voll war. Zu Recht natürlich, denn noch nie ist in Deutschland in so einem Rahmen die Spitze der Weinwelt zu verkosten gewesen. Von Château Montelena, über Sassicaia und Ornellaia, bis hin zu Bonneau du Martrays. Die Liste der großen Namen ist lang.

20161122_170819_resizedNun wurde das Angebot in dieser Richtung erweitert und sogar noch ein bisschen gesteigert. Der Meiniger Verlag hat im Rahmen seines Sommelier Summits eine neue Veranstaltung ins Leben gerufen: Meininger‘s Finest 100.
Der Name ist Programm. Einhundert Spitzenerzeuger aus Deutschland und der Welt (wobei es sich doch vorwiegend um europäische Erzeuger handelte) präsentierten Ende November 2016 ihre Weine im Saalbau von Neustadt an der Weinstraße. Die Halle bot viel Platz und somit eine sehr gute Atmosphäre für die Verkostung. Die Zahl der Besucher stand mit der Anzahl der präsentierenden Weingüter in einem guten Verhältnis. So war es erstens möglich, konzentriert die Weine zu verkosten und zweitens auch viele vertiefende Gespräche mit den Vertretern der Weingütern zu führen. Dieser Rahmen ist der mithin professionellste den ich bisher bei einer Weinveranstaltung mit Tischpräsentation erlebt habe. Brillant auch die Kooperation mit Riedel, die einzelne Glasstationen aufstellten und zu den jeweiligen Weinen die passenden Gläser zur Verfügung stellten. So konnte man sich entscheiden, ob man lieber mit einem Verkostungsglas (hier bot sich das Riedel Riesling/Zinfandel Glas an) oder mit einem passenden Glas die jeweiligen Weine erleben wollte.

Eine solche Veranstaltung bedarf natürlich, um sich direkt als eine der Leitveranstaltungen Deutschlands zu etablieren, eines Paukenschlags. Und der gelang vortrefflich. Albert Kierdorf nutzte die Gelegenheit, sich als neuen Importeur der Domaine de la Romanée-Conti zu zeigen und schenkte neben den 2012er Echézeaux und Romanée St. Vivant (letzterer übrigens ein schlafender Titan) auch den 2000er La Tâche aus – um zu zeigen, wie elegant und verführerisch solch ein Wein mit etwas Reife auch aus einem nur mittleren 20161122_141714_resizedJahrgang ist. Selten dürften gleichzeitig so viele Bilder von DRC Weinen in den sozialen Medien zu finden gewesen sein. Direkt neben ihm stand Laurent Ponsot persönlich und präsentierte seine nicht minder bewegenden und beeindruckenden Weine. Kann man eine Veranstaltung besser bekanntmachen als mit diesen beiden Weingütern? Ich glaube nicht.

Aber es geht ja nicht nur um Burgund – wer sich z.B. ein Bild von der Spitze der Champagne machen wollte, konnte dies hier problemlos tun: nebeneinander standen Champagne Geoffroy, Jacquesson, Eric Rodez, Bollinger, Roederer, Krug und Agrapart. Da hat man schnell einmal die Benchmark für Spitzenchampagner erarbeitet.

Wunderbar auch eine Vertikale von Château Pontet-Canet. Es ist immer wieder lehrreich, verschiedene Jahrgänge eines Weinguts zu verkosten. Denn so sieht man die Eigenarten von Jahrgängen und dazu die Handschrift eines Weinguts, also das, was über die Jahrgänge hinweg, den Charakter der Weine auszeichnet – sei es das Wirken eines langjährigen Kellermeisters, einer gelebten Konsequenz im Weingarten oder das ominöse Terroir.

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Foto: P. Jakob

An dieser Stelle möchte ich nicht sämtliche Weingüter erwähnen, deren Weine ich probiert habe – erwähnen möchte ich aber auf jeden Fall nicht nur die exzellenten Weine sondern die intensiven Gespräche bei Zind Humbrecht und Riecine. Sie sollen exemplarisch für die Güte und fachliche Tiefe dieser Veranstaltung stehen.

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Foto: P.Jakob

Obwohl ich konsequent durchverkostet hatte, war es mir nur möglich einen Bruchteil der Weingüter zu verkosten. Dies war mir aber schon im Vorfeld klar, als ich die Liste der Güter und der präsentierten Weine studiert hatte. So war ich auch gut vorbereitet. Denn wenn sich einem eine solche Möglichkeit bietet, sollte man sie auch konsequent nutzen. Daher hatte ich mir genau überlegt, welche Schwerpunkte ich nun für mein MW Studium setzen muss. Denn nur mit Struktur kann man zielgerichtet lernen. Und Meininger’s Finest 100 hat die Lernstruktur für die Weinbranche massiv verbessert und Hand in Hand mit der Véritable gezeigt, dass das Zentrum Deutschlands nicht Kassel in Deutschlands Mitte oder Berlin als Hauptstadt sind, sondern die Pfalz ist. Wenn es um Wein geht, ist man hier die Avantgarde.

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Panta rhei

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Foto: P. Jakob

Kurz vor dem Erscheinen des aktuellen Fallstaff Weinguides, bat Ulrich Sautter Verkoster des Weinguides um eine Anekdote, die ihnen von den Verkostungen nachdrücklich in Erinnerung geblieben ist. Er wollte dies in den Vorankündigungen nutzen. Da dies dann doch nicht umgesetzt wurde, nutze ich diese Gelegenheit, den Text wiederzugeben. Denn es war für mich ein besonderer Augenblick:

„Als ich Pfingsten diesen Jahres in Franken war, besuchte ich Benedikt Baltes. Wir fuhren in den Schlossberg, sahen uns seine Lagen an und auch die von Fürst. Während des Gangs durch die imposante Steillage erzählte mir Benedikt von einem Winzer, der bereits in den 80er Jahren begann sich intensiv um die Flora und Fauna in seinen Lagen zu kümmern. Er benutzte keine chemischen Mittel, beschäftigte sich mit Messungen des Wetters, um sich langfristig der klimatischen Bedingungen im Schlossberg gewahr zu werden. Die Geschichte war faszinierend. Doch stellte ich alsbald fest, dass ich leider den Namen dieses Winzers vergessen hatte.
Dann saß ich beim Falstaff und verkostete Weine. Es war Katjas Geburtstag und als Geburtstagsgeschenk wurde uns die Kollektion  von Benedikt Baltes gegönnt. Erwartungsgemäß eine großartige. Doch da standen noch Weine eines anderen Klingenberger Winzers. Ich kannte ihn nicht. Doch sah der Verkostungsverlauf es nicht vor, dass wir diese Weine auch noch verkosten würden. Als ich zum nächsten Termin nach Köln kam standen sie immer noch da. Es lag dazwischen nur ein Verkostungstag und es fand sich wohl keine Gelegenheit die Weine zu verkosten. Also nahm ich mir vor, dies zu tun. Es faszinierte mich, dass auf den Etiketten die selbe Klingenberger Ansicht war, die auch auf den Etiketten des Weinguts der Stadt Klingenberg – Benedikt Baltes waren. Wie ich anhand eines Weines sehen konnte, nutzte der Winzer diese Ansicht schon länger, doch in der Vergangenheit kaum wahrnehmbar im Kopf des Etiketts. Die Etiketten wurden wohl in den letzten Jahren modernisiert. Dabei sahen sie doch immer noch ziemlich od school aus Kein Vergleich zu den modernen und perfekt designten Etiketten der Baltes Weine. Ich war nun neugierig. Was würde mich erwarten? Ich verkostete die Weine mit Iris. Wir öffneten die erste Flasche, gossen ein und rochen am Glas. Die Neugier wurde belohnt. Es zeigte sich ein Wein, der uns sofort begeisterte. Zug, Frische, alles ziemlich stimmig. Kein Gigant, aber ein Wein der das Herz berührt. Der nächste Wein, das selbe Erlebnis, das selbe Gefühl. Es zog sich durch die Weine. Es wurde immer besser. Die Weine kommen nicht an die Qualität von Baltes oder Fürst heran – aber sie erreichen ebenfalls das Herz. Hier ist so vieles richtig, so vieles stimmig. Dann fragte Iris, ob es sich hier denn um einen jungen Winzer handele? Dann wäre das doch etwas für die Talente. Ich sah nach. Wie war nochmal der Name? Ja, Wolfgang Kühn. Ich ging auf die Website und dabei fiel es mir wieder ein. Das, was mir Benedikt erzählte. Ich verstand langsam. Danach brachte ich es mit den Ideen von Thierry Germain von der Domaine Roche Neuves in Verbindung, den erst kurz davor an der Loire besucht hatte. Er erzählte mir damals, wie die Wiederbelebung des Bodens, die Pflege der Flora und Fauna seinen Weinen Vitalität gegeben hätten. Wie er dadurch die phenolische Reife um fast zwei Wochen früher erreicht habe. Und wie dadurch die Weine im Alkohol gesunken wären. All dies fand ich ja in den Weinen von Wolfgang Kühn. Niedrige Alkoholwerte, Reife, Balance. Thierrys Worte wurden hierdurch an einem weiteren Beispiel exemplifiziert. Ich war begeistert. Ich bin begeistert. Die Weine Wolfgang Kühns müssten eigentlich viel bekannter sein. Großartige Qualität. Kleiner Preis. Eine schon lange währende Idee des nachhaltigen Weinbaus – ohne Nachhaltigkeit als Marketing zu verstehen. Einfach aus einer Verbundenheit mit seinem Weinberg heraus. Aus Verbundenheit mit der Natur. Ich muss für mich konstatieren – egal welchen Wein ich verkostet habe, mögen es noch so großartige Weine gewesen sein, denen ich 95 oder mehr Punkte gab, diese kleine Begebenheit hat mich mehr bewegt. Es war und ist für mich der flüssige Beweis, dass Wein nur dann zu seiner vollen Blüte kommt, wenn man seine natürliche Umgebung respektiert und pflegt. Benedikt sagte mir später einmal, dass Wolfgang Kühn wohl einen Nachfolger für seinen Kleinbetrieb suche. Da wurde ich doch etwas melancholisch, dass ich nicht viel früher von diesen Weinen erfahren hatte.“

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Bandol – Heimat der Mourvèdre

Weinberge Bandol

Foto: P. Jakob

Fährt man mit dem Schiff von Marseille Richtung Osten an den Calanques entlang, erreicht man eine kleine Hafenstadt, die einer Weinbauregion ihren Namen verleiht: Bandol. Wahrscheinlich kennen sie mehr Rennsportfans als Weintrinker, liegt doch mitten in ihrem Herzen der Ort Le Castellet, wo eine legendäre, nach dem berühmten Pastis Produzenten Paul Ricard benannte Rennstrecke beheimatet ist. Die kongenialen Antipoden Nikki Lauda und James Hunt gewannen hier, und Ende der 80er Jahre siegte der französische Formel 1 Fahrer Alain Prost gleich dreimal in Folge.

Von dem malerischen, auf einem Hügel gelegenen Ort Le Castellet hat man einen guten Blick auf das Weinbaugebiet. Anders als in weiten Teilen der nicht ferne liegenden südlichen Rhône, ist die Landschaft von Hügeln geprägt. Rebstöcke finden sich hier nicht nur in der Ebene, auch die Berghänge dienen dem Weinbau. Und mitunter sieht man Lagen, die selbst ein Moselwinzer als Steillagen durchgehen lassen würde. Bandol zeichnet sich so durch eine ungewöhnlich hohe Terroirdiversität aus – besser ist die Vielzahl an Faktoren, die im Weinberg eine Rolle spielen kaum zu benennen. Es finden sich unterschiedliche Bodentypen, die Einfluss auf den Nährstoffgehalt der Reben wie auf den Wasserhaushalt haben. Die unterschiedliche Lagenexposition zur Sonne beeinflusst den Reifezyklus der Trauben. Generell finden sich sehr unterschiedliche Mikroklimata in den Weinbergen. Dies sind alles allgemeingültige Faktoren im Weinberg – im Bandol fällt nur die Vielfalt der Unterschiede deutlich ins Auge.

Wo eine solche Diversität herrscht, findet sich unweigerlich auch eine Vielzahl unterschiedlicher Rebsorten. Die Mourvèdre gilt als die Leitrebsorte des Bandols – die aus ihr gewonnen Rotweine begründeten seinen Ruf. Mindestens 18 Monate muss der Wein für die Appellation Bandol im Holz ausgebaut werden. Lange Zeit galten daher die Rotweine dieser Region als rustikale Weine, die sich erst nach einer kleinen Ewigkeit zur Trinkreife hin entwickeln. Diesen Stil findet man gelegentlich noch, beispielsweise bei der Domaine Le Galantin. Doch die meisten Weingüter haben sich einer moderneren Weinbereitung zugewandt. Grob lässt sich das Gebiet in zwei Kategorien festmachen: Weine mit eher bordelaisem Charakter und solche von mehr burgundischer Natur. Was nun nach typischen Phrasen klingt, lässt sich am besten an Hand von Weingläsern belegen und erleben:
Der rote Bandol mit eher bordelaisem Stil findet zu aromatischer Vollendung im klassischen Bordeauxglas. Er ist von dichter Struktur, mit kräftigem Tanningerüst und vom Ausbau in neueren Barriques geprägt. Château de Pibarnon oder Domaine de Terrebrune sind gute Beispiele für diesen Stil. Daneben gibt es aber auch Weingüter, die weniger kraftvolle, eher filigrane, aromatisch weniger vom Holz geprägte Weine erzeugen, die am besten im Burgunderglas aufblühen. Die berühmte Domaine Ott wäre ein Beispiel oder die Domaine Tempier. Letztere verkaufen daher auf ihrem Weingut ein Burgunderglas einer renommierten österreichischen Glashütte, um genau dies dem Kunden zu zeigen.
Ein perfektes Beispiel dafür, dass der Charakter der Rotweine des Bandols viel stärker vom Ausbaustil als von der Mourvèdre geprägt ist, erlebt man, wenn man den in der Amphore ausgebauten „En Sol“ der Domaine de la Tour du Bon probiert. Dieser reinsortige Mourvèdre zeigt, dass diese Rebsorte im Grunde zu den filigraneren Rebsorten gehört. Es ist ein kühler, filigraner Wein mit feiner Säurestruktur. Blind probiert, glaubt man weder, dass dieser Wein aus Mourvèdre ist, noch, dass er aus den westlichen Ausläufern der Provence stammt. Von seiner Frische und Eleganz ist scheint er im Geiste mit Pinot Noir verwandt.
Neben Mourvèdre, aus der die Rotweine zu mindestens 50% und höchstens 95% bestehen müssen, sind noch Grenache, Syrah, Cinsault und Carignan als rote Rebsorten zugelassen. Dies ergibt für die Winzer einigen Spielraum, um einen individuellen Stil zu entwickeln.

Weinberge Bandol / Domaine Tour du Bon

Foto: P. Jakob

Zu Recht genießen die Rotweine Bandols einen guten Ruf. In den letzten Jahren änderte sich die internationale Wahrnehmung der Weiß- und insbesondere der Roséweine. 2006 schrieb der britische Weinkritiker Hugh Johnson in seiner Autobiographie noch: „Im Anbaugebiet Bandol, das auf den besten Rotwein der Provence stolz sein kann, geraten die Rosés tiefgründiger und runder und sind fast schon ernsthafte Weine.“ Heute, wo Rosés nicht mehr als Zwitterwesen abgetan werden sondern hohes Ansehen genießen, ist Bandol neben Tavel ein Einbegriff für hochwertigen Rosé. Es finden sich einerseits typisch eher „provenzalische“ Stile, also Weine von eher zurückgenommener Frucht und feinwürzigem Charakter, wie z. B. bei der Domaine de la Tour du Bon. Andererseits gibt es auch saftige, fruchtbetonte Rosés, meist mit etwas intensiverer Farbe, z.B. bei Bunan oder Domaine du Gros’Noré. Stilistisch erinnern diese Weine etwas an die Rosés der südlichen Rhône.

Mittlerweile erhalten die Weißweine stärkere Aufmerksamkeit, auch wenn sie noch immer im Schatten der Rosé- und Rotweine stehen. Die Rebsortenvielfalt der Region lässt auch hier sehr viele Stile zu, so dass man keinen festen Weißweinstil in dieser Region definieren kann. Clairette Blanche ist zwar die Leitrebsorte, die mit mindestens 50% und maximal 95% in den Weißweincuvées verwendet werden muss. Als Verschnittpartner werden Ugni Blanc, Bourboulenc Marsanne, Sauvignon Blanc, Semillon und Rolle, die den meisten als Vermentino bekannt ist, verwendet. Somit reicht die Spannweite von frischen, fruchtbetonten über würzig, kräuterige bis hin zu eher milden, vollmundigen Weinen. Häufig zeigen die Weißweine ein sehr gutes Reifepotential.

Blick von Le Castellet

Foto: P. Jakob

Wer in der Provence Urlaub macht, sollte dieser Region einen Besuch abstatten. Zwangsläufig kommt man auf dem Weg von Marseille an die Côte d’Azure durch Bandol. Sollte man keinen längeren Aufenthalt einräumen können, lohnt es sich die Oenotheque de Bandol in Bandol oder das Maison des Vins de Bandol in Le Castellet aufsuchen, in denen man Weine sämtlicher Erzeuger der Region kaufen kann. Dann kann man sich entspannt im Urlaub die Vielfalt dieser Region ertrinken.

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Domaine Weinbach SGN – kurz und prägnant

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Super Farbe. Super Nase. Super am Gaumen. Supergeil.

Danke an Edeka für die Inspiration. Leider gibt es den Wein dort nicht zu kaufen…

EDEKA Supergeil (feat. Friedrich Liechtenstein)

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Deutsche Weinliteratur im Wandel der letzten Jahrzehnte…

Weinbücher_web

Foto: P. Jakob

Es ist schade, wenn man sich viel Mühe für eine Abschlussarbeit macht und diese dann nur noch auf der eigenen Festplatte existiert. Zum Abschluss meines Weinakademiker Studiums (WSET DIPLOMA) an der Weinakademie Österreich habe ich mich entschieden, mich bei meiner Abschlussarbeit der Geschichte und Entwicklung der deutschen Weinliteratur in der Bundesrepublik Deutschland zuzuwenden. Mich interessierte, wie sich die Literatur wandelte und inwieweit man hieraus Veränderungen des Weinkonsumverhaltens ableiten kann. Daran anschließend, habe ich einen kurzen Ausblick auf mögliche Herausforderungen für die gegenwärtige und zukünftige Weinliteratur gewagt. Da die Diploma Arbeit in ihrem Umfang mit 5000 Wörtern definiert ist, musste ich mich an (nicht nur) dieser Stelle kürzer fassen.

Hier geht es zum Text:

Deutsche Weinliteratur im Wandel…

P.S. Auch dieser Text muss, wenn auf ihn zurückgegriffen wird, ordentlich zitiert werden – und die angegebene Adresse ist übrigens nicht mehr aktuell.

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WamS-FAS-Sonntagszeitungsweinkolumnennachlese 06.10.13

Das einzig schöne am Kranksein ist, dass man die Sonntagszeitungen auch am Montag lesen kann. Die Weinkolumnen von Manfred Klimek in der WamS und Stuart Pigott in der FAS sowie Peter Badenhops FAS-Interview mit den Pinot-Winzern Michael Herrick und dem gebürtigen Österreicher Rudi Bauer aus Neuseeland extrem komprimiert:

1. „Deutschlands Weinbloggerszene ist sehr übersichtlich, gut vernetzt, einigermaßen einflussreich und zunehmend sogar einer Meinung, was gute Winzer und ihre Weine angeht.“ (M. Klimek)

2. Es ist wichtiger anzuführen, wer die Flights einer Verkostung zusammengestellt hat, als mitzuteilen, wer eigentlich die Weine verkostet und bewertet hat.

3. Caro Maurer MW wurde unabsichtlich degradiert und zwangsumgeschult.

4. Stuart Pigott entdeckt, dass es auch mehr als Ice Wine in Kanada gibt. Das meiste davon ist in Deutschland aber nicht erhältlich.

5. Es gibt in Kanada Eiswein aus Cabernet Sauvignon.

6. „Nicht nur ist die Wärmesumme für die Vegetationsperiode (1. April bis 31. Oktober) in Niagara höher als die Wärmesummen für Rheingau, Champagne und Burgund; während der Sommermonate ist es sogar wärmer als in Bordeaux.“ (S. Pigott)

Sonntagszeitungen_klein

Foto: P. Jakob

7. Peter Badenhop interviewt neuseeländische Winzer aus „Central Ortago“ (!) und kauft seinen Wein bei Mövenpick. Sagt er nicht, wird aber deutlich.

8. Zwischen 1999 und 2001 gab es in Neuseeland Ausfälle von bis zu 20% aufgrund von TCA. Heute werden nur noch Schrauber benutzt.

9. „In Neuseeland wollen wir klare, reine, makellose Weine machen, während Tropfen wie dieser voller Macken sind. Aber nicht im Sinne von Fehlern. Es ist vielmehr das Alte-Welt-Verständnis von einem großen Wein mit Charakter. Wir dagegen wollen puren, sauberen Geschmack.“ (R. Bauer) Bezieht sich auf 2011 Bourgogne Rouge von Benoît Ente.

10. „Inzwischen gibt es bei uns in Neuseeland allerdings Winzer, die ihre Weine bewusst mit solchen Macken ausstatten, um ihnen Charakter und ein bisschen mehr Funk zu verleihen.“ (M. Herrick)

11. Herrick und Bauer mögen die Weine von Stodden.

12. Badenhop kann nichts ab und verkostet die neuseeländischen Schaumweine nicht.

Klimeks Weinkolumne kann man hier nachlesen und bald auch bei CaptainCork.
Die anderen Artikel sind leider online nicht verfügbar.

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Etwas über Wein – Lektüreempfehlungen

Leider komme ich im Moment einfach nicht dazu, einen neuen interessanten Artikel zu verfassen. Ich habe zwar genug Ideen, es fehlt einfach an der Zeit. Daher möchte ich an dieser Stelle drei Artikel empfehlen, die mir in letzter Zeit auffielen und die ich für absolut lesenswert halte.

Der erste Artikel ist schon etwas älter, er wurde 2007 von Richard E. Quandt im Journal of Wine Economics veröffentlicht. Quandt greift hier eine Idee des emeritierten Princeton Professors Harry G. Frankfurt auf und beschäftigt sich mit der Rolle von bullshit beim Thema Wein, speziell in der Beschreibung von Weinen. Wirklich lesenswert.

http://www.wine-economics.org/aawe/wp-content/uploads/2012/10/Vol.2-No.2-2007-Some-New-Software.pdf

 

Der zweite Artikel erschien im Juni diesen Jahres im „The Observer“. Wie schon der Titel „Wine-tasting: it’s junk science“ verrät, geht es in dem Artikel um Weinverkosten bzw. die Grenzen des Verkostens. Ebenfalls sehr lesenswert!

http://www.theguardian.com/lifeandstyle/2013/jun/23/wine-tasting-junk-science-analysis

 

Die letzte Empfehlung ist ein Interview, das Axel Biesler für die Vinum mit dem Bremer Neurobiologen Gerhard Roth führte. Es passt wunderbar zu den beiden Artikeln. Es geht nicht nur um Objektivität und die Komplexität von Wahrnehmung. Als Beleg nur ein kleines Zitat: „Viele solche Publikationen sind stark interessegeleitet, aus Wichtigtuerei oder aus kommerziellen Beweggründen. Es wäre interessant, objektivere Weinführer anzubieten – vielleicht gibt es sie ja sogar. Leider höre ich aber immer nur von spektakulären Fehlentscheidungen so genannter Experten, wenn sie nicht gewusst haben, welchen Wein sie vor sich hatten. Für Kunstexperten gilt übrigens das Gleiche – das sind in aller Regel Wichtigtuer, wie die jüngsten Skandale zeigen.“

http://diewein.com/?p=922

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